Brustkrebs bei Männern: Eine bisher selten untersuchte Krankheit und klinische Herausforderung

22.10.15

Ein Gespräch der "The ASCO Post" mit Larissa A. Korde, MD, MPH   Brustkrebs bei Männern ist eine Krankheit, die nur selten auftritt, obwohl die Häufigkeit in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Vor Kurzem sprach The ASCO Post mit Larissa A. Korde, MD, MPH , Associate Professor, Department of Medicine, Division of Oncology, University of Washington in Seattle, die den Brustkrebs bei Männern erforscht.

 

Die Durchführung klinischer Studien bei den Hauptkrebsarten stellt bereits eine große Herausforderung dar. Wie gehen Sie an die Datensammlung für seltene Erkrankungen, wie dem männlichen Brustkrebs, heran?

In der Vergangenheit wurden die Daten zum männlichen Brustkrebs retrospektiv erfasst. Wenn bei einem Prüfzentrum lediglich fünf oder sechs Fälle im Jahr auftreten, wird die Entwicklung einer Studie sehr schwierig. Vor fünf Jahren bemühte sich die Southwest Oncology Group um die Durchführung einer prospektiven klinischen Studie zu männlichem Brustkrebs, die allerdings aufgrund mangelnder Datensammlung nicht zustande kam. Landes- und weltweit gibt es zahlreiche Prüfzentren, bei denen männliche Brustkrebsfälle häufiger als normal auftreten. Die Aufgabe wird also sein, eine Form der Zusammenarbeit mit diesen Prüfzentren zu finden, um den klinischen Studienprozess voranzubringen. Das MD Anderson Cancer Center beispielsweise und das Memorial Sloan Kettering Cancer Center verfügen über eine sehr große Patientenpopulation mit männlichem Brustkrebs. Durch das Herausfiltern von Zentren mit einem hohen Aufkommen an männlichem Brustkrebs in den USA und in Europa konnten zahlreiche Daten zu dieser Krankheit gewonnen werden. Dadurch waren wir in der Lage, aussagekräftige Schlüsse über die Pathologie und Biologie des Krebses zu ziehen.

 

Konnten genetische Risikofaktoren für den männlichen Brustkrebs identifiziert werden?

Obwohl Brustkrebs bei Männern relativ selten vorkommt, wissen wir, dass die Entwicklung dieser Krankheit mit Mutationen des BRCA2-Gens zusammenhängt. Die Arbeit an anderen Risikofaktoren wurde durch retrospektive epidemiologische Studien vorgenommen. Ich denke, dass die genetische Komponente aufholen wird, da während der aktuell laufenden, internationalen, institutsübergreifenden Studien DNA gesammelt wird, was die Sequenzierung mehrerer Gene erlaubt. Für den männlichen Brustkrebs ist dies bisher noch nicht in einem großen Rahmen durchgeführt worden.

Die erhobenen Daten deuten an, dass einige auffallende Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Brustkrebs existieren. Dazu gehören unter anderem das Vorkommen von mehr hormonpositiven und weniger HER2-positiven Fällen sowie eine weiter fortgeschrittene Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose.

Bitte teilen Sie uns mit, welche aktuellen Behandlungsoptionen es für den Brustkrebs bei Männern gibt.

Meistens leiten wir die Behandlungsform aus den Ergebnissen ab, die wir beim weiblichen Brustkrebs ausmachen können. Während wir bei den aggressiveren Erkrankungen eine Auswahl von Chemotherapien anwenden, wäre bei den Erkrankungen im Frühstadium die Hormontherapie mit Tamoxifen als Hauptstütze zu nennen.

Einer der großen Unterschiede bei der Behandlung vom männlichen im Gegensatz zum weiblichen Brustkrebs liegt in den Aromataseinhibitoren, die üblicherweise für Frauen im postmenopausalen Stadium verschrieben werden. Bei Männern jedoch verfügen wir nicht über ausreichende Daten, um sicher sagen zu können, wie Aromataseinhibitoren beim männlichen Brustkrebs wirken. Es könnten tatsächlich biologische Ursachen dafür verantwortlich sein, warum Aromataseinhibitoren beim männlichen Brustkrebs nicht funktionieren. Dieser wichtige Bereich bedarf weiterer Untersuchungen.

 

Quellen:

The ASCO Post, October 10, 2015, Volume 6, Issue 18: Zum Artikel auf der Webseite

Übersetzung: www.univadis.de