Parabene könnten das Brustkrebsrisiko schon bei niedrigeren Dosen als bisher angenommen erhöhen

11.11.15

Östrogenähnliche Chemikalien, Parabene genannt, sind für gewöhnlich in einer großen Auswahl von Körperpflegeprodukten zu finden. Einer neuen Studie zufolge könnten sie bereits in geringeren Dosen als bisher angenommen gefährlich sein.

Die von Pan et al. in Environmental Health Perspectives1 veröffentlichten Befunde weisen auf die Entwicklung von Brustkrebs und anderen Erkrankungen hin, die durch Östrogene beeinflusst werden. Die Studie stellt auch die aktuellen Methoden zur Überprüfung der Sicherheit infrage, die unter Umständen nicht das tatsächliche Risiko der Parabene und deren Auswirkungen auf die Gesundheit widerspiegeln.

Parabene stellen eine Klasse von Konservierungsmitteln dar, die eine breite Anwendung bei Körperpflegemitteln wie in Shampoos, Kosmetika, Körperlotionen und Sonnenschutzcremes finden. Die Chemikalien werden als Östrogen-ähnlich eingestuft, da sie den gleichen Östrogenrezeptor aktivieren wie das natürliche Hormon Estradiol. In Studien wurde die Einwirkung von Estradiol und den zugehörigen Östrogenen mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs und mit Reproduktionsproblemen in Verbindung gebracht. In der Folge löst die Verwendung von Parabenen in Körperpflegeprodukten immer mehr Sorge in der Bevölkerung aus.

Wie stark Parabene zum Brustkrebsrisiko beitragen könnten, ist bisher noch nicht geklärt. “Obwohl Parabene bekannterweise die Wachstumseffekte der Östrogene auf Brustkrebszellen nachahmen, gehen manche Personen davon aus, dass diese Effekte nicht ausreichen, um Schäden hervorzurufen“,” so Dale Leitman, MD, PhD, Gynäkologe und Molekularbiologe an der University of California, Berkeley. “Doch dies könnte sich als falsch erweisen, wenn die Parabene mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, die das Zellwachstum regulieren.”

Bei den derzeitigen Sicherheitstests jedoch, bei denen die Effekte von Chemikalien auf menschliche Zellen untersucht werden, werden die Parabene nur isoliert betrachtet. Es wird nicht berücksichtigt, dass es zwischen Parabenen und anderen Arten von Signalmolekülen in den Zellen zu einer gegenseitigen Beeinflussung kommen könnte, was zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos führen könnte.

Die Forscher betrachteten Brustkrebszellen, die zwei Arten von Rezeptoren exprimierten: Östrogenrezeptoren und HER2. Etwa 25 % der Brustkrebszellen produzierten reichlich HER2. HER2-positive Tumoren neigen zu einem aggressiveren Wachstum und Streuen als andere Brustkrebsarten.

Die Forscher aktivierten die HER2-Rezeptoren in den Brustkrebszellen mit einem Wachstumsfaktor namens Heregulin, das in den Brustzellen natürlich gebildet wird, während die Zellen den Parabenen ausgesetzt waren. Die Parabene triggerten nicht nur die Östrogenrezeptoren, indem sie Gene aktivierten, die zu einer Zellproliferation führen, diese Auswirkung war auch signifikant: In den HER2-aktivierten Zellen waren die Parabene in der Lage, das Wachstum von Brustkrebszellen bei einem Konzentrationsniveau zu stimulieren, das 100-mal niedriger war als in den Zellen, denen das Heregulin entzogen wurde.

Da Menschen tagtäglich durch den Gebrauch von Körperpflegeprodukten mit einer Vielzahl von Chemikalien in Berührung kommen, würde die Kenntnis darüber, wie die Mischungen von hormonähnlichen Chemikalien mit Wachstumsfaktoren interagieren, um das Zellwachstum zu fördern, eine bessere Möglichkeit bieten, das potentielle Krebsrisiko einer Person aufgrund eines Kontakts mit diesen Chemikalien einzuschätzen. Zunehmende Sorgen bereitet den Wissenschaftlern insbesondere die Frage, welchen Einfluss der Kontakt mit mehreren Chemikalien in den entscheidenden Entwicklungsphasen,— unter anderem in der Schwangerschaft und der Pubertät, — auf die Erhöhung des Risikos hat, dass diese Person in späteren Jahren an Brustkrebs erkrankt.

Quelle: Univadis (Oncology News), The ASCO Post, 09.11.2015

1. Pan S, Yuan C, Tagmount A, et al: Parabens and human epidermal growth factor receptor ligands cross-talk in breast cancer cells. Environmental Health Perspectives (early release online October 27, 2015).