Stellungnahme von mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.

10.05.16

zur TV-Sendung „Der gekaufte Patient? Wie Pharmakonzerne Verbände benutzen“ vom 9. Mai 2016

In der Reportage „Der gekaufte Patient? Wie Pharmakonzerne Verbände benutzen“, gesendet am 9. Mai um 22.45 Uhr in der ARD, wird unter anderem über mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. berichtet.

Das Thema „Spenden von Arzneimittelherstellern an Selbsthilfegruppen“ wird in dem Beitrag in unseren Augen leider sehr tendenziös dargestellt. Es bleibt der Eindruck, dass Patienteninitiativen, die Spenden von der Pharmaindustrie erhalten, automatisch in eine Abhängigkeit verfallen, der Einflussnahme unterliegen und ihre Mitglieder nicht ausreichend über diese Geldquellen informieren – so dass letzten Endes die Patienten über den „Mittler“ Selbsthilfegruppe von der Pharmaindustrie, wie der Untertitel schon sagt, „benutzt“ werden.

Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:
mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. ist mit rund 1.900 Mitgliedern die größte Brustkrebsselbsthilfegruppe in Deutschland. Wie der Name deutlich macht, hat mamazone das Ziel, eine Brücke zu schlagen zwischen den Betroffenen Frauen und der Medizin, Kompetenzen zu bündeln und damit eine breite Allianz gegen den Brustkrebs zu bilden.
Bei mamazone arbeiten tagtäglich viele Menschen, die meisten von ihnen ehrenamtlich, daran, die Situation von Frauen mit Brustkrebs zu verbessern.
In erster Linie geht es uns darum, den Frauen Informationen zu Krankheit, Therapiemöglichkeiten etc. zu geben und ihnen damit Lebenshilfe in allen Belangen zu leisten, mit denen sie die Diagnose „Krebs“ unweigerlich konfrontiert.

Dass für unsere Arbeit Geld notwendig ist, liegt auf der Hand. mamazone finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden von verschiedenen Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen sowie aus Bußgeldern.
Alle Spenden von Unternehmen werden vertraglich mit mamazone vereinbart und zur Unterstützung der Patientinnenarbeit verwendet. Bei einem Sponsoring steht der Geldsumme eine klare, ebenso vertraglich vereinbarte Gegenleistung gegenüber, so zum Beispiel die Präsenz mit einem Messestand auf einer unserer Veranstaltungen oder eine Anzeige in unserer Vereinszeitschrift mamazoneMAG.
Diese Gelder sind notwendig, um die vielfältigen Projekte und Aktionen von mamazone überhaupt erst möglich zu machen.

Die 1. Vorsitzende von mamazone, Dr. Petra Stieber, und Gründerin Ursula Goldmann-Posch haben dem Journalisten ein einstündiges Interview gegeben und ausführlich erklärt, wie mamazone zu diesen Geldern steht und damit umgeht. Leider wurde daraus nur eine kurze Sequenz gesendet, die in erster Linie dazu geeignet war, die Vorurteile des Autors zu bestätigen.
mamazones Ansatz der Informationsvermittlung an die Betroffenen eben mit dem Ziel der mündigen, selbstbestimmten Patientin wird in dem Beitrag leider nicht dargestellt.

Daher ist es uns wichtig, noch einmal zwei Punkte zu betonen:

1) Wir informieren stets offen und transparent über die Spenden und Sponsoringgelder. Unser Jahresbericht ist auf unserer Homepage für jeden einsehbar. Auch die Geber-Firmen veröffentlichen jährlich alle getätigten Spenden und Sponsoring-Ausgaben an Selbsthilfeorganisationen bzw. Patientenorganisationen auf ihren Webseiten.

2) Die Arzneimittelhersteller, die mamazone Geld spenden oder als Sponsoren eine Gegenleistung erhalten, haben keinen Einfluss auf das Tun von mamazone. Leider stellt der Beitrag die Tatsache, dass einige Patienteninitiativen Spenden von der Pharmaindustrie erhalten, so dar, als würde dies zwangsläufig eine inhaltliche Unterwanderung und damit das „Benutzen“ der Mitglieder zur Folge haben.
In unseren Augen ist genau das Gegenteil der Fall: Die Geldmittel ermöglichen es uns, unsere Informationsprojekte für Frauen mit Brustkrebs auf die Beine zu stellen und diesen Frauen damit mehr Orientierung, Entscheidungsfreiheit und damit Selbstbestimmung zu schenken.

Dazu stehen wir, und dieses Ziel werden wir weiter verfolgen.