mamazone trauert um Gründerin Ursula Goldmann-Posch

04.06.16

Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. (B. Brecht)

Ursula Goldmann-Posch, gest. 04.06.2016

Am Morgen des 4. Juni 2016 starb Ursula Goldmann-Posch mit nur 67 Jahren an den Folgen einer therapieassoziierten akuten myeloischen Leukämie. So, wie sie 17 Jahre lang für eine bessere Brustkrebs-Nachsorge kämpfte und Frauen durch Wissen über ihre Krankheit vom „Opfer“ zur Regisseurin ihres eigenen Behandlungsverlaufs machen wollte, hat sie auch um ihre eigene Gesundheit gekämpft - bis ihr Körper dem aggressiven Fortschreiten der Erkrankung nicht mehr standhalten konnte.

1999 gründete sie, die Medizinjournalistin und Buchautorin, gemeinsam mit anderen an Brustkrebs erkrankten Frauen die Selbsthilfegruppe mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V., nachdem sie drei Jahre zuvor selbst an Brustkrebs erkrankt war und sich schlecht behandelt und unzureichend aufgeklärt fühlte. Mit mamazone wollte sie eine Brücke schlagen zwischen den Patientinnen einerseits und Medizin und Forschung andererseits. Erlebte und erlernte Kompetenz sollten sich zu einer gemeinsamen Kraft gegen Brustkrebs zusammenschließen.

Von Beginn an sprühte sie vor kreativen Ideen, ihrer Zeit immer ein bisschen voraus und ließ sich von keinen Stolpersteinen aufhalten. Mit beinah übermenschlichem Engagement machte sie in den darauffolgenden 17 Jahren mamazone zu dem, was der Verein heute ist: mit rund 2000 Mitgliedern die größte Brustkrebsselbsthilfegruppe in Deutschland, die den betroffenen Frauen bundesweit Hilfestellung bei der Bewältigung ihrer Krankheit gibt und Forderungen an Politik und Wissenschaft formuliert, um ein längeres und besseres (Über-)Leben für Brustkrebspatientinnen zu erreichen.

Viele Projekte nahmen auf ihre Initiative hin Gestalt an, allen voran das Flaggschiff „Projekt Diplompatientin®“, in dem schon ein Jahr nach der Gründung der Kerngedanke von mamazone konkret wurde: ein Wissenschaftskongress für Patientinnen, der alljährlich über Neuigkeiten rund um die Krankheit, Forschung und Therapie informiert.

Es folgten Aktionen wie das mamazone-mobil, das Brustkrebswissen in die entlegensten Winkel Deutschlands bringt, oder das Projekt „La Mamma“, in dem Pflegepersonal speziell für die Pflege von Brustkrebspatientinnen geschult wird. Auch das mamazone Magazin „mamazoneMAG“, das zweimal jährlich erscheint, oder die „Mutmachmärchen“-CDs, gelesen von bekannten Frauen, die Patientinnen neue Zuversicht geben – all das  sollte und soll erkrankten Frauen bei ihrer Heilung helfen.

Zur fachlichen Unterstützung der Beratung der mamazone-Mitglieder gewann sie schon vor Jahren 30 ÄrztInnen und WissenschaftlerInnen der Brustkrebsmedizin als wissenschaftlichen Beirat, weil ihr Kompetenz und Professionalität Zeit ihres Lebens wichtige Eigenschaften waren.

Zudem gründete sie zwei Stiftungen:

  • „PATH – „Patients’ Tumorbank of Hope“. Dies ist die weltweit einzige und einzigartige Tumorgewebebank von Frauen mit Brustkrebs für Frauen mit Brustkrebs (http://www.mamazone.de/projekte/path).
  • Die zweite Stiftung „PONS-S – Patienten Orientierte Nachsorge Stiftung“ besteht aus 42 Wissenschaftlern, die sich für eine bessere Brustkrebs-Nachsorge einsetzen, damit die veraltete Datenlage zur Nachsorge von Frauen mit Brustkrebs auf der Grundlage moderner Erkenntnisse endlich aktualisiert werden kann. (www.pons-stiftung.org).

All die Jahre hat sich Ursula Goldmann-Posch mit unermüdlichem Einsatz, enormem Fachwissen, kreativen Ideen und bewundernswertem Durchhaltevermögen dafür eingesetzt, den betroffenen Frauen wieder Mut und Selbstvertrauen zu geben.

Auch wenn sie sich in den letzten zwei Jahren aus dem aktiven mamazone Leben notgedrungen zurückziehen musste, war sie doch bis zum Schluss an allen Vorgängen höchst interessiert. Noch vor vier Wochen wollte sie die Fahnen des neuen mamazoneMAG sehen und hatte sofort wieder einen Vorschlag, welche hoffnungsvollen Forschungsergebnisse bei der Brustkrebs-Bekämpfung im nächsten Magazin vorgestellt werden sollten. mamazone war ihr Lebenswerk, das sie ins Zentrum ihrer Existenz gestellt und für das sie nicht selten bis zur Erschöpfung gearbeitet hat.
„Ich bin keine Forscherin“, sagte sie vor einiger Zeit „aber ich verstehe mich als ‚Überlebenswissenschaftlerin‘, deren Arbeit immer das Wohl der betroffenen Frauen zum Ziel hat.“

Dieses Ziel weiter zu verfolgen ist jetzt unsere Aufgabe, damit die Diagnose Brustkrebs vielleicht irgendwann ihren Schrecken verliert. Wir, der Vorstand und die Mitglieder von mamazone, sind tief betroffen von ihrem Tod und werden eine so beeindruckende wie liebenswerte Frau, die uns mit ihrer unverwechselbaren Art inspiriert und unser Leben auf so vielfältige Weise bereichert hat, vermissen.

 

„Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.“ Franz Kafka