Methadon-Forscherin Dr. Claudia Friesen erhält den „Busenfreundin-Award 2016“

07.11.16

Augsburg, 4. November 2016 – Die Brustkrebs-Selbsthilfegruppe mamazone e.V. – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs hat in diesem Jahr Dr. rer. nat. Claudia Friesen für ihre Forschung rund um die Wirkung von D,L-Methadon auf Tumorzellen mit dem „Busenfreundin-Award“ ausgezeichnet. Mit diesem Wissenschaftspreis von Patientinnen an die Brustkrebsforschung will mamazone die Stimme der betroffenen Frauen stärken, denn sie sind es, die unmittelbar von Neuerungen in der Brustkrebsforschung profitieren. Forscherinnen und Forschern soll der Preis Mut machen, Altbekanntes zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und den Ängsten von Frauen mit Brustkrebs mit Lösungskonzepten, Engagement und Visionen zu begegnen. Der Preis wurde in diesem Jahr bereits zum 16. Mal vergeben.

Neue Wege gehen

Dr. Claudia Friesen, Diplomchemikerin und Leiterin des molekularbiologischen Forschungslabors am Institut für Rechtsmedizin und Zentrum für Biomedizinische Forschung mit Schwerpunkt Onkologie des Universitätsklinikums Ulm, arbeitet seit Jahren intensiv an der Entdeckung tumorhemmender Medikamente und forscht vor allem zur Wirkung von D,L-Methadon auf Tumorzellen.

„mamazone gratuliert Dr. Claudia Friesen zu ihren Forschungsergebnissen, zu ihrem Engagement und ihrer Ausdauer und verleiht ihr in Anerkennung ihrer Arbeit den Busenfreundin-Award 2016! Unser Preis soll unseren Dank symbolisieren und gleichzeitig für die Zukunft Rückenwind geben und den Wunsch der ‚mamazonen’ signalisieren, mit hoher Geschwindigkeit weiter zu forschen“, sagte Dr. Petra Stieber, Vorstandsmitglied von mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V., in ihrer Laudatio.

Werdegang

Nach Stationen als wissenschaftliche Angestellte in der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg in der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Onkologie/Pädiatrie bei Prof. Debatin (1994-1997) und an der Kinderklinik in Ulm (1997-2004), wo sie 1997 mit dem Franziska Kolb Preis für Leukämieforschung ausgezeichnet wurde, wurde sie 2004 Leiterin des Forschungslabors an der Abteilung für Nuklearmedizin des Uniklinikums. Dort klärte sie neue Mechanismen der Strahlenwirkung auf und wurde 2007 für ihre Forschungsergebnisse mit dem Georg-von-Hevesy-Preis der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin und dem Dietrich-Schmähl-Preis der Central European Society for Anticancer Drug Research ausgezeichnet.

Ende 2007 wechselte Dr. Claudia Friesen an das Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Ulm, wo sie bis heute Leiterin des molekularbiologischen Forschungslabors ist. Als sie dort im selben Jahr die molekularen Auswirkungen von Drogen auf Krebszellen näher aufklären wollte, entdeckte sie, dass mit D,L-Methadon behandelte Leukämiezellen abstarben. In den folgenden Jahren testete sie diese Auswirkung auch an vielen anderen Tumorarten und erkannte, dass das Absterben von der Opioidrezeptordichte auf der Oberfläche der Tumorzelle abhängt: Sind viele Opioidrezeptoren vorhanden, kann Methadon allein die Krebszelle zerstören. Ist eine moderate Opioidrezeptordichte vorhanden, aber immer noch deutlich mehr als bei einer gesunden Zelle, kann Methadon als Wirkverstärker von Krebsmedikamenten und/oder Strahlung fungieren. Die gesunde Zelle wird aufgrund ihrer geringen Opioidrezeptordichte nicht zerstört.

Seitdem erforscht Dr. Claudia Friesen den Zusammenhang von Opioidrezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen, Chemotherapie und D,L Methadon, die gegenseitige Abhängigkeit und Beeinflussbarkeit. Eine erste Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse an Zellkulturen erschien 2008 in Cancer Research, 2009 erfolgte eine umfangreiche Projektförderung durch die Deutsche Krebshilfe. Es erschienen Publikationen ihrer Ergebnisse 2013 in „Oncotarget“ und 2014 in „Cell Cycle“.

Erst vor zwei Wochen wurde ihre Arbeit bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Leipzig mit dem Posterpreis ausgezeichnet – nun folgte der mamazone „Busenfreundin-Award 2016“.


Hinweise zu den Dateien

Bildunterschrift: Verleihung des „Busenfreundin-Awards 2016“ von links nach rechts: Dr. med. Petra Stieber (Vorstand von mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.), Dr. Claudia Friesen, Prof. Dr. med. Bettina Borisch (Vorstand von mamazone – Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.)
Bildnachweis: Alexander Kaya für mamazone e.V.