Ist mein Brustkrebs erblich bedingt?

Kurzfassung/Basisinformation - Stand: April 2013

Eine ausführliche Version von „Ist mein Brustkrebs erblich bedingt?“ finden Sie in der Langfassung.

 

Wie häufig ist erblicher Brustkrebs?


Wenn Brustkrebs in Familien gehäuft auftritt, stellt sich schnell die Frage, ob der Brustkrebs erblich verursacht sein kann. Jedoch konnte bislang eine erblich-genetische Ursache bei Brustkrebs nur für 5 bis max. 10 % aller Fälle festgestellt werden. Und vermutlich nur ca. 0,3 % aller Frauen weisen tatsächlich einen erblichen Gendefekt auf.

Was weiß man bisher über erbliche Brustkrebsgene?

Erbliche Genmutationen sind von Geburt an in jeder Körperzelle vorhanden. Sie werden über eine elterliche Keimzelle vererbt.

Bei Brustkrebs kennt man bislang zwei maßgebliche Gene, die mutiert bei einem hohen Prozentsatz der Betroffenen zu Brust- und oftmals auch Eierstockkrebs führen, nämlich BRCA1 und BRCA2. Diese beiden Gene lassen sich durch Gentests sicher nachweisen.

Unterdessen wurden zahlreiche weitere erbliche Genvarianten entdeckt, von denen die meisten vermutlich nur eine geringe Rolle spielen.  Lediglich das RAD51C-Gen (auch BRCA3 genannt)  konnte in 2010 ebenfalls als ein Hochrisiko-Gen identifiziert werden, es wird jedoch noch nicht routinemäßig getestet.


Welcher Mechanimus läuft bei einer Genveränderung ab?

Die Gene BRCA wirken, solange sie intakt sind, einer Tumorentstehung entgegen. Ihre Aufgabe besteht im Schutz der Zellen vor einer Krebsentstehung. Man bezeichnet solche Gene als Tumorsuppressorgene.
Ist das BRCA-Gen aber defekt, kann es seine Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer entarteten Körperzelle ein Tumor entwickelt, steigt extrem an.
Eine BRCA-Mutation wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % an die Nachkommen weitergegeben – egal ob diese männlich oder weiblich sind.


Was bedeutet es, wenn eine BRCA-Genmutation nachgewiesen wird?

Frauen mit einem BRCA-Gendefekt haben ein sehr stark erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

BRCA1

  • 85% iges Erkrankungsrisiko für Brustkrebs (ca. 50% davon bereits vor dem 50. Geburtstag)
  • 64% iges Risiko für zweite neue Brustkrebserkrankung
  • 40-65% iges Risiko für Eierstockkrebs

BRCA2

  • 80% iges Erkrankungsrisiko für Brustkrebs (ca. 50% davon bereits vor dem 50. Geburtstag)
  • 52% iges Risiko für zweite neue Brustkrebserkrankung
  • 17% iges Risiko für Eierstockkrebs

Einige Untersuchungen zeigen auch für weitere Krebsarten (insbesondere Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs) zumindest eine leichte Risikoerhöhung.



Wann kann ein Hinweis auf erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs vorliegen?

Folgende typische Familienmuster können auf eine erbliche Genmutation hindeuten:

  • drei Frauen mit Brustkrebs
  • zwei Frauen mit Brustkrebs, mindestens eine davon vor dem 51. Geburtstag erkrankt
  • eine Erkrankung an Brustkrebs vor dem 36. Geburtstag
  • eine Frau mit beiseitigem Brustkrebs, die erste Erkrankung vor dem 51. Geburtstag
  • eine Frau mit Brustkrebs sowie eine Frau mit Eierstockkrebs
  • eine an Brust- und Eierstockkrebs erkrankte Frau
  • zwei an Eierstockkrebs erkrankte Frauen
  • ein Mann mit Brustkrebs sowie zusätzlich eine Frau mit Brust- oder Eierstockkrebs



Was kann eine Familie bei Verdacht auf eine erbliche Veranlagung tun?

Jede Familie, in der sich Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs häuft, hat die Möglichkeit, sich umfassend in einem der mittlerweile 15 bundesweiten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs beraten zu lassen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die dortige Beratung, Gendiagnostik und Früherkennung.

Wie läuft das Konzept in den ‚Zentren‘ ab?

Wünscht eine Frau aufgrund ihrer Familiengeschichte eine genetische Beratung, so kann sie sich entweder von ihrem Arzt an das nächstgelegene Zentrum überweisen lassen oder auch selbst dort Kontakt aufnehmen.

In einem Erstgespräch wird dann die individuelle Risikosituation abgeklärt. Liegt demnach ein Risiko für eine erbliche Belastung vor, so erfolgen zunächst umfassende Beratungsgespräche. Rund 60 % der dabei ermittelten Hochrisikofrauen entscheiden sich dann für eine anschließende Genanalyse.

Diese umfasst eine komplette Gensequenzierung und erstreckt sich über mehrere Monate.


Was bringt das Wissen um einen nachgewiesenen Gendefekt?

Die betroffenen Frauen werden mit der Ergebnisverkündung nicht alleingelassen, sondern ihnen wird eine langfristige qualifizierte Betreuung in den genannten Zentren angeboten.

Die Frauen haben vor allem die Möglichkeit, an einem engmaschigen standardisierten Früherkennungsprogramm (FEP) teilzunehmen.
Des Weiteren werden Möglichkeiten prophylaktischer Operationen erörtert.

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Kurzdarstellung der möglichen Strategien

Bildgebende Verfahren

Das von den Zentren angebotene intensive Früherkennungsprogramm ist an internationale Empfehlungen angelehnt. Hierzu gehört vor allem:

  • halbjährlich: gynäkologische Tastuntersuchung und Sonografie der Brüste
  • jährlich: Röntgen-Mammografie etwa ab 30. LJ
  • jährlich: MR-Mammografie (= MRT der Brust) ab dem 25. LJ

 

Chirurgische Prävention

Als sehr einschneidende Maßnahme kommt hier die beidseitige Entfernung des gesunden Brustdrüsengewebes in Betracht. Hierdurch wird das Brustkrebsrisiko um bis zu 95 % gesenkt.

Die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke senkt die Gefahr eines Eierstockkrebses um ebenfalls rund 95 %. Laut mehrerer Studien minimiert diese Ovarektomie nicht nur das Eierstockkrebsrisiko, sondern kann auch das Brustkrebs-Risiko einer genetisch belasteten Frau um bis zu 50 % verringern.

Diese beiden operativen Maßnahmen werden den betroffenen Frauen international angeraten.


Medikamentöse Vorbeugung

Bislang kann noch keine allgemeine Empfehlung für den prophylaktischen Einsatz von Medikamenten gegeben werden.

Zur vorsorglichen Einnahme des Antiöstrogens Tamoxifen liegen zwar bereits seit langem internationale Studienergebnisse vor, die allerding nur in den USA – nicht in Europa - zur Zulassung als vorbeugendes Mittel geführt haben.

Für den Aromatasehemmer Exemestan hat eine größere Präventionsstudie kürzlich eine signifikante Risikominderung ergeben. Das Präparat gilt daher in der Vorbeugung grundsätzlich als mögliche Option, zugelassen ist es hierfür indes ebenfalls noch nicht.

Für die beiden weiteren Aromatasehemmer liegen noch keine entsprechenden Studienergebnisse vor.


Therapieoptimierung bei bereits erkrankten Frauen

Hier wird aktuell erforscht, welche Chemotherapien speziell bei BRCA-Frauen zu bevorzugen sind – es scheint deutliche Vorteile für platinhaltige Präparate zu geben

Des Weiteren erhofft man sich weitere Fortschritte zu einem neueren Behandlungsansatz, den sogenannten PARP-Inhibitoren. Die noch vor Kurzem in diese neue Wirkstoffgruppe gesetzte große Hoffnung konnte bislang jedoch noch nicht erfüllt werden.