Die Telefonstimme von mamazone

Acht Jahre lang war sie die Telefonstimme von mamazone im Büro Max-Hempel-Str. 3 in Augsburg: sanft, mit ein wenig Melancholie in der Stimme, aber manchmal auch mit Schalk.

Acht Jahre lang beriet Ilona Ulmer unzählige Frauen mit Brustkrebs, die anriefen, weil sie mehr wissen wollten als den Standard; die die besten Medikamente haben wollten, gleich zu Beginn ihrer Erkrankung und nicht erst, wenn Brustkrebs Metastasen gesetzt hat.

2001 selbst an Brustkrebs erkrankt, kam Ilona Ulmer fünf Jahre später wieder in Not: obwohl in einer Studie mit den fortschrittlichsten Medikamenten behandelt, konnte sie nicht verhindern, dass ihr Brustkrebs erst in einem Lymphknoten am Hals, dann in die Knochen, und später in die Leber gestreut hatte.

Ich sage das deshalb so drastisch und detailliert, um aufzuzeigen, dass Brustkrebs eine verdammt grausame Geschichte ist: keine Schicki-Micki-Erkrankung von TV-Sternchen, die - so entnehmen wir den Medien - bereits nach einem Jahr von sich behaupten, sie seien- wie durch ein Wunder - geheilt und sie hätten auch während der Chemo gearbeitet, mit Perücke natürlich, denn die Show must go on…. Ilona Ulmer wusste, dass diese Erkrankung keine Episode ist, sondern ein ständiges Damoklesschwert über ihrem Kopf. Ilona Ulmer war klar, dass mit ihrem Brustkrebs nicht zu spaßen ist.

Ilona Ulmer ist eine von 55 Frauen, die am Dienstag, den 26. Januar 2010 in Deutschland an Brustkrebs gestorben sind.
Am Mittwoch, den 27. Januar 2010 waren es weitere 55.
Am Donnerstag, den 28. Januar 2010 wieder 55 Frauen.
Am Freitag, den 29. Januar 2010 nochmals 55 Frauen.

Jeden Tag sterben in Deutschland 55 Frauen, prominente und namenlose, an Brustkrebs. Das ist so, als würde an 365 Tagen - Tag für Tag - irgendwo in Deutschland ein ganzer Reisebus mit seinen Insassen tödlich verunglücken. Ein Aufschrei der Empörung ginge durch das Land: es würde in den Zeitungen stehen, das Fernsehen würde berichten, die Suche nach technischem Versagen würde immer hektischer, der Gesetzgeber würde angerufen, damit er die Sicherheit von Reisebussen neu regelt.

An Brustkrebs wird still gestorben. Sehr still und undramatisch.

An Brustkrebs wird grausam gestorben: Denn der Stoff, aus dem die Brustkrebsmetastasen sind, ist unerbittlich, zumal, wenn Metastasen sehr spät entdeckt werden und nicht rechtzeitig behandelt werden.

Ilona Ulmer, diese kluge, diese lebenslustige und viel zu junge Frau, um an Brustkrebs zu sterben, hat fünf Jahre mit ihrem metastasierten Brustkrebs gerungen. Gerungen auf hohem Niveau. Gekämpft mit immer neuen Ideen und Strategien in diesem langen Wettlauf gegen den Tod an Brustkrebs.

Neun Tage nach ihrem 50.Geburtstag, am Dienstagmorgen, den 26. Januar 2010, um 6.05 Uhr, hörte Ilonas Herz auf zu schlagen. Doch ihr Geist und ihre Seele werden immer in unseren Herzen bleiben.


Waltraud Böving,
für den Vorstand mamazone e.V. und den
Vorstand Förderverein Kompetente Patientinnen gegen Brustkrebs e.V.,
für die Regionalteams, Mitarbeiter und Mitglieder.

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