AktuellesKongressberichte

Bericht vom 10. Arzt-Patienten-Seminar der BioMed-Klinik in Bad Bergzabern

Von Dipl.-Psych. Gertrud Rust, mamazone-Bodensee,
Vorstandsmitglied mamazone- Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.

 

Es war ein Kongress der „anderen Art“ mit dem Thema: „Die komplementäre Onkologie als vierte Säule der Krebstherapie“, erkennbar bereits am Empfang der zahlreichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit harmonischer Klaviermusik am Bechstein-Flügel. Musik kann sich ausgleichend und beruhigend auf Körper, Geist und Seele auswirken, und entsprechend eingestimmt durfte man Wissenswertes aus dem Bereich der ergänzenden Krebsmedizin erwarten.

Kurkuma – vielversprechender Pflanzenstoff

Dr. Friedrich Migeod, Chefarzt der BioMed-Klinik, eröffnete die Vortragsreihe mit dem Thema: „Pflanzenstoffe und Vitamine in der Onkologie“.

Da die Leitlinienmedizin allein Patienten oft nicht befriedige, sei häufig ein Bedürfnis nach komplementärer Onkologie zu beobachten, so Dr. Migeod. Diese wird in der BioMed-Klinik, gegründet im Jahr 1989 von dem Pionier der komplementären Onkologie in Deutschland, Dr. Dr. E. Dieter Hager, konsequent weiter entwickelt.

Dazu gehört die Nutzung von „Nahrungsmitteln gegen Krebs“. Und dies nicht etwa unangemessen verkürzt unter dem Slogan: „Krebsheilung durch eine bestimmte Diät“, sondern die Betrachtung von Pflanzeninhaltsstoffen unter der Möglichkeit, diese zur Stärkung eines an Krebs erkrankten Organismus heran zu ziehen. Auch ein positiver Einfluss auf den Verlauf einer Krebserkrankung wird im Bereich des Möglichen gesehen.

Dahinter steht die Frage, ob nicht Inhaltsstoffe von Pflanzen, die im Überlebenskampf mit der Umwelt zum Schutz vor Bakterien, Viren, Pilzen und Fraßfeinden entstanden sind, auch im menschlichen Organismus eine positive Wirkung entfalten könnten.


Indol-3-Carbinol, Bestandteil von Kohlpflanzen, schmeckt beispielsweise bitter und wehrt Fraßfeinde ab, zeigt jedoch gleichzeitig eine antihormonelle Wirkung.

NF-Kappa-B, ein Entzündungsfaktor, der von Krebszellen abgegeben wird, um Wachstum und Verbreitung zu fördern, kann durch Pflanzeninhaltsstoffe gehemmt werden.


Ein eindrückliches Beispiel dafür sei Kurkuma, Extrakt aus der Gelbwurz, dessen Potential in internationalen Studien inzwischen vielfach belegt ist.
Vergleicht man die Krebsraten von Indern vor und nach Migration in die USA, ist
in der neuen Lebensumwelt ein steiler Anstieg bei allen Krebsarten zu verzeichnen.
Die Veränderung von Lebensstilfaktoren, wozu auch Ernährungsweisen gehören, wird als möglicher Grund heran gezogen, dieses Phänomen zu erklären.
Kurkuma ist in Indien gängiger Bestandteil der alltäglichen Ernährung, und ihm werden antioxidative, antithrombotische und fettsenkende Eigenschaften zugeschrieben. Durch seine entzündungs- und wachstumshemmende Wirkung auf Tumorzellen wirkt Kurkuma zusätzlich antitumoral.
(Aggarwal BB. et al.:  Anticancer potential of curcumin: preclinical und clinical studies. Anticancer Res. 2003 Jan – Feb;23(1A):363-98)

Synergistisch, also zugleich mit Kurkuma wirkt Grüntee. Gemeinsam zugeführt verstärken sich die Effekte im Vergleich zum Einzelkonsum erheblich. Darüber hinaus sollen die beiden Substanzen die Strahlensensibilität von Krebszellen steigern.

Die Wirkung des Grüntees wird seinem Hauptinhaltsstoff, dem EGCG (Epigallo-Catechin-3-O-Gallat) zugeschrieben, einem Antioxidans, hundertmal stärker als Vitamin C.  Der japanische Grüntee Sencha-Uchiyama weist den höchsten Gehalt an EGCG auf, welches zusätzlich die Wirkung von Östrogenrezeptoren hemmen soll.

Kreuzblütler (Kohlpflanzen) enthalten Sulphoraphane (Senföl). Einem Vertreter dieser Stoffklasse, dem Indol-3-Carbinol, wird eine Senkung des Erkrankungsrisikos für verschiedene Krebsarten zugeschrieben. Besonders hormonsensibler Brustkrebs sei durch I-3-C beeinflussbar. Die Progression, also das Fortschreiten der Erkrankung wird gehemmt, die Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen zur Versorgung des Tumors) geht zurück, der Entzündungsfaktor NF-Kappa-B sinkt, und auch Tumorstammzellen scheinen angegriffen zu werden.

Seit einiger Zeit im Blickpunkt der Bedeutung von Pflanzeninhaltsstoffen: das Isoflavon Resveratrol, im Wein vorkommend, vor allem in den Traubenschalen und den Stängeln. Da Resveratrol ein Schutzstoff der Weinpflanze gegen Höhenstrahlung ist, findet man bei Weinen aus höheren Lagen den stärksten Gehalt. Resveratrol  ist ein Tyrosinkinase-Hemmer (Hemmstoff in den Signal-
wegen der Zellteilung innerhalb einer Zelle), ähnlich dem Medikament Erlotinib oder Lapatinib.

Die Berücksichtigung von Pflanzeninhaltsstoffen bei der persönlichen Nahrungs-zusammenstellung kann einen bedeutenden Beitrag zum Genesungsverlauf liefern und vermittelt den Patienten ein Gefühl von Autonomie und Selbstwirksamkeit, so Dr. Migeod.

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Hyperthermie – den Tumorzellen einheizen

Die BioMed-Klinik in Bad Bergzabern hat sich national und international  einen exzellenten Ruf als Hyperthermie-Zentrum erworben.

Über Ganzkörper-Hyperthermie in der Vorbeugung von Krebsrezidiven und Metastasen berichtete Dr. Stephan Wey, Facharzt für Innere Medizin in Lauf und langjähriger Mitarbeiter von Dr.Dr. Hager.

Eine Chemotherapie – so Wey - lässt Patienten immunologisch altern, oft wird nie mehr das alte Niveau erreicht, erkennbar u.a. an ausbleibendem Fieber bei Infektionen. Auch ist bei Patienten mit fieberfreien Krankheitsgeschichten eine Neigung zu Krebserkrankungen zu beobachten. Dagegen wird ein Drittel sogenannter Spontanheilungen bei Krebs durch Fieberschübe im Krankheitsverlauf erklärt. Diese Gegebenheiten führten zur Erprobung von induziertem (künstlich herbei geführtem) Fieber als Heilungsversuch.

Immunzellen können in Tumore einwandern – je stärker die Einwanderung, desto besser die Überlebenschancen. Eine Hyperthermie-Behandlung  steigert die Anzahl von Immunzellen, die den Weg in den Tumor finden.

Der entscheidende Faktor besteht in der Produktion von Hitzeschock-Eiweißen in Krebszellen, die an die Zelloberfläche wandern. Dort dienen sie als Erkennungsmerkmal für bestimmte Immunzellen und machen die Krebszelle so angreifbar. Das Ziel der Hyperthermie besteht somit in der Produktion von Hitzeschock-Proteinen zur Aktivierung des Immunsystems.
Hyperthermie-Behandlungen sollten möglichst früh vorgenommen werden, am besten im ersten Jahr nach Erkrankung und nach Beendigung der Erstbehandlung, wenn die Tumorlast gering ist.

Dr. Wey: “Einen Tumor verliert man im ersten Jahr nach der Erkrankung, bevor eine Metastasierung eingetreten ist“.

Parallel zur schulmedizinischen adjuvanten (unterstützenden) Behandlung kann die Hyperthermie als frühe Sekundärprophylaxe (Vorbeugung von Rezidiven und Metastasen) in der Nachsorge eingeordnet werden. Die Beobachtung von 63 Krebspatienten über fünf Jahre ergab, dass 59 Patienten mit zusätzlicher Hyperthermie-Behandlung in diesem Zeitraum keinen Rückfall erlitten.

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Die Kraft der Seele für den Heilungsweg bei Krebserkrankungen zu nutzen ist Anliegen von Dr. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in Heidelberg.

Als Mut machendes Beispiel nannte er Dr. Ebo Rau, einen ärztlichen Kollegen, der vor siebzehn Jahren an damals inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, welcher bereits Metastasen in der Leber gebildet hatte. Dr. Rau lebt noch heute und befasste sich im Verlauf seiner Genesung mit einer Vielzahl seelischer Unterstützungsmöglichkeiten bei dieser schweren Erkrankung.
 
Zentral sei eine empathische (einfühlsame) und vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung, welche Behandlungsergebnisse verbessern kann, so Dr. Irmey. Die Qualität der therapeutischen Beziehung und ihre Auswirkung auf Heilprozesse werden seiner Meinung nach völlig unterschätzt.

Zitat eines Patienten in diesem Zusammenhang: „Die Krankheit ist nicht so schlimm, viel schlimmer ist der Druck der Ärzte, und sich dagegen zu wehren braucht meine ganze Kraft“. Vertrauen ist dagegen eine Oase, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird (Khalil Gibran), zitierte Irmey in diesem Zusammenhang.

Im Umgang mit einer Krebserkrankung käme  es auf Aktivität statt Aktionismus an, auf die Umsetzung medizinisch plausibler Maßnahmen und die Abwehr von Hoffnung raubenden Gedanken. Nicht der Vergleich mit anderen Patienten, sondern die Betonung der individuellen Situation könne weiter helfen. Heilung geschieht, man kann sie nicht „machen“, und verschiedene Therapieformen seien nicht etwa richtig oder falsch, sondern individuell passend oder unpassend.

Dem Umgang mit Emotionen sollte besondere Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden. Sowohl dem Ausdruck negativer Gefühle, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Psychoonkologen, als auch der Pflege positiver Gefühle kommt weitreichende Bedeutung für den Gefühlshaushalt eines Patienten zu.

Als hilfreiche Frage wurde genannt: “ Was macht Ihnen Freude? Gibt es zwanzig Dinge, die nicht mehr als 5.-Euro kosten?“

Dem Leben also mehr Aufmerksamkeit schenken als der Erkrankung, sich nicht als Opfer seiner Erkrankung, sondern als Gestalter seines Lebens sehen, Kontakt mit der inneren Stimme, dem inneren Arzt suchen, diese Form des Umgangs mit einer Krebserkrankung könne ungeahnte Kräfte frei setzen.

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Sondermüll im Mund

Zurück in der Welt der „härteren Stoffe“, befasste sich Maximilian Hagen, Zahnarzt in Bad Bergzabern, mit den Wechselbeziehungen zwischen Zähnen und Organen.

Erkrankte Zähne können die Erkrankung von Organen zur Folge haben. Diese Beziehung ist jedoch wechselseitig, kranke Organe können auch Zahnbeschwerden verursachen. Wird dieser Zusammenhang nicht berücksichtigt, sucht man eventuell an der falschen Stelle nach dem Auslöser einer Erkrankung, dem Krankheitsherd.

Herderkrankungen können akut sein und sind damit gut zu erkennen und zu behandeln, während chronische Herderkrankungen langsam entstehen. Sie sind oft schwer aufzufinden, und die Wahl einer geeigneten Therapie stößt auf erhebliche Schwierigkeiten.

In der Mundhöhle treffen Innen- und Außenwelt zusammen. Zähne sitzen auf sogenannten Meridianen, das heißt Energieleitbahnen, und was Zähne gesund hält, hält nach Meinung von M. Hagen auch Organe gesund.
Als Sondermüll im Mund wurde Amalgam bezeichnet, welches von den Kassen als einziges Mittel zur Zahnreparatur bezahlt wird. Es besteht jedoch zu fünfzig Prozent aus Quecksilber, welches sich in Form  abgelöster Partikel an Hirn-, Nerven- und Muskelzellen anlagert. Auch das sogenannte Zahngold ist nicht rein, sondern eine Legierung mit potentiell schädlichen Zusatzstoffen.

Wie kann man nun einen Störherd erkennen? Einmal durch Selbstbeobachtung, das heißt durch Beantwortung der Fragen, ob Organ- und Zahnbeschwerden gleichzeitig auftreten, ob Zahnprobleme intervallmäßig zu beobachten und Verfärbungen des Zahnfleisches sichtbar sind, ob Parodontose vorliegt, die auf Bakterienaktivität hindeutet, und ob die Zunge belegt ist.

Zum anderen durch diagnostische Abklärung, wobei M. Hagen das Verfahren nach Dr. Volk einsetzt. Mittels Elektroakupunktur wird dabei die elektrische Leitfähigkeit von Gewebe geprüft und mit den Werten gesunden Gewebes verglichen.

Ist ein Herd gefunden, sollte saniert werden, etwa durch die Entfernung von Amalgam mit anschließender Entgiftung, das heißt der Ausleitung der Quecksilberdepots.

Grundlegend ist die Auffassung, Organe müssten in einem Funktionszusam-menhang gesehen werden, deren Zustände sich gegenseitig beeinflussen. Die Konzentration auf Einzelsymptome sei darauf zurück zu führen, dass Informationen über Systemzusammenhänge inzwischen so zahlreich seien, dass der Überblick verloren ginge und eine integrative Wertung erhebliche Anforderungen mit sich brächte.

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Sport und Krebs

Auf den Stellenwert körperlicher Ertüchtigung im Rahmen der komplementären Onkologie ging Prof. Dr. Klaus Jung, ehemaliger Leiter der Abteilung für Sportmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ein.
Der Nutzen von sportlicher Betätigung bei Krebserkrankungen wird in der Schulmedizin erst in jüngerer Vergangenheit betont, umso erstaunlicher, als diese Erkenntnisse in der Komplementär-Onkologie seit langem selbstverständlich sind.

Sport und Bewegung senken Rückfallquoten und mobilisieren das Immunsystem, wobei die Immunfunktionen bei moderater Belastung am besten gekräftigt werden.

Sport im Jugendalter kann präventiv wirken, d.h. die Entstehung einer Krebs-erkrankung wird verhindert, während Sport im Erwachsenenalter das Fortschreiten einer bereits eingetretenen Erkrankung verzögert.

Bedeutsam sind auch die psychosozialen Wirkungen sportlicher Betätigung:
Die Stimmung hellt sich auf, die Schlafqualität verbessert sich erheblich, Depression, Angst und das Gefühl von Hilflosigkeit vermindern sich dagegen.
Die Trainingsempfehlung umfasst drei bis fünf Mal pro Woche ein Ausdauer-training mit Beanspruchung großer Muskelgruppen, ein bis zwei Mal pro Woche Krafttraining zum Muskelaufbau mit standardisierten Geräten und als Flexibilitätstraining das Stretchen, das sind Dehn- und Lockerungsübungen.

Sport bei Brustkrebs senkt die Blutfettwerte, bzw. das Verhältnis von „schlechtem“ (LDL) und „gutem“ (HDL) Cholesterin verbessert sich. Mit steigendem Energiebedarf sinken auch die Triglyceridwerte (Neutralfette) im Blut, bedeutsam, da hohe Triglyceridwerte den Östrogenspiegel steigen lassen.

Ebenso vermindern sich bei sportlicher Betätigung der Insulinspiegel und die Menge insulinähnlicher Wachstumsfaktoren, die sich wachstumsfördernd auf Brustkrebszellen auswirken können.

Als positives Beispiel wurde Jane Tomlinson genannt, eine britische Brust-krebspatientin, die im August 2000 mit  weit fortgeschrittenem metastasierten Brustkrebs und einer Überlebensprognose von sechs Monaten konfrontiert wurde. Nach dem Beginn von Sporttraining, u.a. nahm sie an Marathonläufen teil, überlebte sie bis Juli 2007.

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Nach wie vor widersprüchlich: Einfluss von Phytoöstrogenen

Neben Sport bei Krebs sind auch Ernährung und Fasten in der Onkologie wesentliche Themen der komplementären Krebsmedizin. Dr. Rainer Stange,
Präsident des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin aus Freudenstadt, leitender Arzt der Abteilung Naturheilkunde des Immanuel-Krankenhaus in Berlin und Mitglied der Forschungsgruppe klinische Naturheilkunde der Charité-Universitätsmedizin, beleuchtete den Stellenwert geeigneter Ernährungsformen für den Krankheitsverlauf.

Wesentliche Aspekte von Ernährung sind die Fragen, ob eine Erkrankung durch bestimmte Kostformen verursacht oder begünstigt wird, ob sich Prognosen verbessern und Symptome lindern lassen, wie etwa die Kachexie (Auszehrung bei Krebs).

Ungünstige Ernährungsanteile sollten identifiziert und gemieden werden.
Als besonders gefährlich gelten Übergewicht und Fett im Bauchraum, die mittels geeigneter Kostformen kontrolliert werden sollten.

Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) kam auf der Basis von 520.000 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass faserreiche Kost das Risiko für Dickdarmkrebs senkt, während der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch das Risiko steigert. Deutliche Hinweise auf ein vermindertes Risiko  ergaben sich ebenso  für eine fischreiche Ernährung. Für Brustkrebs wurde durch den Verzehr von Früchten und Gemüse kein bedeutsam vermindertes Risiko gefunden, hier standen Körpergewicht, Gewichtszunahme im Erwachsenenalter und die Hormonspiegel vor und nach den Wechseljahren im Vordergrund.
Fettkonsum und Übergewicht erhöhen das Brustkrebsrisiko und verschlechtern den Krankheitsverlauf. Nach wie vor widersprüchlich sind die Ergebnisse zum Einfluss von Phytoöstrogenen (hormonartig wirkende Pflanzeninhaltsstoffe).

Die WHI-Studie (Women's Health Initiative) kam dagegen zu dem Ergebnis, dass eine fettreduzierte Kost bei Frauen nach den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko nicht wesentlich vermindert, wobei jedoch nicht in Fette mit günstiger und ungünstiger Zusammensetzung unterschieden wurde.
Auch war das Einstiegsalter der Studienteilnehmerinnen womöglich zu hoch, denn vor allem die Art der Ernährung von Kindheit an übt einen prägenden Einfluss auf die Krankheitsanfälligkeit aus, so Dr. Stange.

Hier könnten vergleichende Studien an Kulturen mit unterschiedlichen Essgewohnheiten vermutlich zu anderen Ergebnissen kommen.
Wichtig seien auf jeden Fall ein BMI (Body-Mass-Index) unter 30, und auch am Sinn einer hohen Ausgangsqualität von Lebensmitteln und deren schonender Zubereitung bestünden keine Zweifel.

Pflanzliche Fette seien tierischen vorzuziehen, der Fleischkonsum zu Gunsten von Fisch einzuschränken und farbiges Gemüse in die Ernährung mit aufzunehmen, da den Pflanzenfarbstoffen besondere gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben würden.

Nicht empfohlen, jedoch als beobachtungs- und erforschenswert zu betrachten sei u.a. die  kohlenhydratreduzierte Diät nach Dr. Coy, die von unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen in gesunden und Krebszellen ausgeht. Durch Absenkung des beeinflussbaren Zuckerangebots soll hier eine wesentliche Energiequelle für Krebszellen eingeschränkt werden.

Der Sinn von Fasten war in der Onkologie lange Zeit mit dogmatischen Ansprüchen beider Seiten umstritten, jedoch wurde in Einzelfällen von Erfolgen berichtet.

Die derzeitige Grundlagenforschung zu diesem Thema steht überwiegend im Stadium des Tierversuchs. Vorheriges Kurzzeitfasten von zwei Tagen verminderte die Nebenwirkungen einer Chemotherapie und erhöhte die Empfindlichkeit von Krebszellen gegenüber den Medikamenten. Auch wuchsen injizierte Tumorzellen bei fastenden Mäusen schlechter an, als bei normal gefütterten Tieren.

Klinische Studien zum Thema Fasten bei Krebs sind in den USA angelaufen, zur Diskussion stehen u.a. Fragen nach dem sinnvollen Ausmaß einer Kalorien-reduktion und der notwendigen Dauer von Fastenperioden, um einen Effekt zu erzielen.

(Changhan Lee et al. and Valter D. Longo: Fasting Cycles Retard  Growth of Tumors and Sensitize a Range  of Cancer Cell Types to Chemotherapy. Sci Transl Med 2012; 4(124):124-127)

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Schmerzen wirksam bekämpfen

Weitreichende Erkenntnisse liegen dagegen zur Schmerztherapie in der Onkologie vor. Dr. Silvia Maurer, Vizepräsidentin der deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie aus Bad Bergzabern, definierte Schmerz „als das, was der Patient aussagt“. Und eine Schmerztherapie habe sich am Fortschreiten von Schmerzen, nicht jedoch der Erkrankung auszurichten.

Eine Fremdeinschätzung von Schmerz sei meist unzutreffend, denn das Schmerzempfinden gilt als subjektiv und durch psychologische, soziale und spirituelle Einflüsse veränderbar.

Die Eigeneinschätzung der Betroffenen entscheidet somit über die Aufnahme und Fortführung einer Schmerztherapie. Schmerzskalen von 1-10 und Schmerz-tagebücher sind dabei behilflich. Eine genaue Anamnese, also Erhebung der Kranksheitsgeschichte, erlaubt die Zuordnung von Schmerz und Ursache, sowie eine angepasste Therapieform.

Als Therapiemöglichkeiten stehen Akupunktur und Entspannungsverfahren, Physiotherapie, Operation und die medikamentöse Behandlung zur Verfügung.

Ende 2013 wird hierzu eine Praxisleitlinie veröffentlicht, in welcher auch ein Kapitel „Komplementärmedizin“ Aufnahme findet.

Als Basisrichtlinie gilt: bei normaler körperlicher Betätigung der Patienten sollte das Schmerzempfinden vierundzwanzig Stunden abgedeckt sein.

Folgende Stoffklassen finden derzeit Verwendung:

  • nicht opioidhaltige Schmerzmittel (ASS, Paracetamol, Metamizol, Ibuprofen und Diclofenac), mögliche Nebenwirkungen erfordern hier einen gezielten Einsatz;
  • Kortikoide mit geringeren Nebenwirkungen und Eignung zur Langzeittherapie;
  • Opioide, mittelstark, mit 12-stündiger Wirkung (Tramadol, Tilidin, Dihydrocodein = DHC)
  • Morphinabkömmlinge, stark, mit 12- bzw. 24-stündiger Wirkung (Morphine, Hydromorphen. Oxycoon, Fentanyl-Pflaster);


Tapentadol, ein neues Schmerzmedikament, steht noch in der Erprobung, und für Cannabis als Zusatzstoff bei Übelkeit und Appetitlosigkeit ist eine Sondergenehmigung der Krankenkasse erforderlich.

Zu beachten ist, dass starke und mittelstarke Substanzen nicht miteinander kombiniert werden dürfen und die regelmäßige Einnahme eines Schmerzmedikaments zur Aufrechterhaltung eines gleichmäßigen Wirkspiegels notwendig ist.

Bei Nervenschmerzen ist abhängig von der Bedürfnislage der Patienten eine Kombination bestimmter Antidepressiva mit Schmerzmitteln möglich.
Für den gefürchteten und unvorhersehbaren Durchbruchschmerz steht heute ein schnell  wirksames Fentanyl-Spray für die Nase zur Verfügung. Auch Fentanyl in Tablettenform hat einen schnellen Wirkungseintritt.

Von großer Bedeutung ist die Berücksichtigung des Schmerzkreislaufs: Schmerz erzeugt Angst, diese kann zu Depressionen führen, welche wiederum das Schmerzempfinden steigern, oder Schmerz führt zu einer Depression, die Angst erzeugt und die Schmerzwahrnehmung weiter ansteigen lässt.

In allen drei Bereichen ist jedoch wirkungsvolles Eingreifen möglich.

Welchen Fortschritt die Schmerzbehandlung im Verlauf des letzten Jahrhunderts gemacht hat, lässt sich an den Bestandteilen des Brompton Cocktail erkennen, den der britische Chirurg Herbert Snow im Jahr 1896 zusammen stellte. Enthalten waren: Heroin, Kokain, Gin, Honig und Chloroform-Wasser.

Ganz im Gegensatz dazu eine neue Information der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in Heidelberg: „Behutsam schmerzfrei bei Krebs“, Download unter www.biokrebs.de

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Diese Informationen wurden mit größtmöglicher Sorgfalt aufgezeichnet und übermittelt, dennoch kann für die Richtigkeit keine Gewähr übernommen werden.

Gertrud Rust