AktuellesKongressberichte

6. Europäischer Brustkrebs Kongress, 2008, Berlin

Zum 6. Mal fand der Europäische Brustkrebs-Kongress (EBCC) in Berlin vom 15.-19. April 2008 statt. Ursula Goldmann-Posch war für mamazone vor Ort und berichtete vom Kongress.

Weitere Informationen zum EBCC finden Sie auf der Webseite der ecco.

Risikofaktor Fett

Dicke Frauen sind im Nachteil beim Erkennen und Überleben von Brustkrebs

von Ursula Goldmann-Posch

Fettleibige Frauen haben schlechtere Heilerfolge bei Brustkrebs als ihre schlankeren Leidensgenossinnen und suchen ihren Arzt häufig erst zu einem Zeitpunkt auf, wo der Brustkrebs schon fortgeschritten ist. Das sagten zwei Wissenschaftler auf dem 6. Europäischen Brustkrebs Kongress (EBCC-6) in Berlin.

Der belgische Onkologe Evandro de Azambuja vom Jules Bordet Institut in Brüssel kam nach der Untersuchung von rund 2900 Patientinnen zu dem Schluss, dass Frauen mit einem Body-Mass-Index von über 30 kg/m2 schneller einen Rückfall erleiden und allgemein kürzer überleben. Möglicherweise könne das auch daran liegen, dass dicke Patientinnen in der Chemotherapie allgemein mit einer zu geringen Dosis behandelt werden. Dies ist derzeit Gegenstand weiterer Forschung. Dr. de Azambuja: „Es wird geschätzt, dass Fettleibigkeit und Bewegungsmangel für 25 bis 30 Prozent der Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren verantwortlich sind.“

Vorurteile gegenüber dicken Patientinnen?

Ebenfalls beim EBCC-6-Kongress berichtete die Schweizer Epidemiologin Dr. Elisabetta Rapiti vom Genfer Krebsregister von ihren Studien, denen zufolge dicke Frauen den Arzt erst mit einem Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium aufsuchen.  Des weiteren fiel auf, dass diese auch weniger oft Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen angeboten bekamen und länger auf einen OP-Termin warten mussten als die normalgewichtigen Frauen.

Eine der Erklärungen liegt laut Rapiti darin, „dass sich fettleibige Frauen weniger leicht überwinden, sich untersuchen zu lassen, da ihnen ihr Übergewicht peinlich ist.“ Umgekehrt seien „Ärzte stark übergewichtigen Patientinnen gegenueber eventuell voreingenommen, und schwere Fälle von Adipositas erfordern möglicherweise eigene Geräte, die nicht immer überall verfügbar sind.“

Eine Studie des spanischen Chirurgen Dr. David Martinez-Cecilia aus Cordoba hat gezeigt, dass bei 18 der 249 mit einem zusätzlichen MRT untersuchten Patientinnen sich überraschend weitere Brusttumore gezeigt hatten.

Dies erklärte der Wissenschaftler. Martinez-Cecilia wörtlich: “Auch wenn MRT teuer ist,  sollte sie gemeinsam mit Biopsie, Mammographie und Ultraschall vor einer Brustkrebs-Operation zur Standarduntersuchung werden. Denn damit ist es nicht nur möglich, ein erneutes Auftreten des Krebses zu vermeiden, sondern auch langfristig die Behandlungskosten zu senken.”

Seitenanfang


Kernspin der Brust vor der Operation verbessert Brustkrebs

von Ursula Goldmann-Posch

Frauen, die vor einer Brustkrebs-OP stehen, sind gut beraten, wenn sie noch eine Magnetresonanztomographie (MRT) ihrer Brust machen lassen. Denn eine Studie des spanischen Chirurgen Dr. David Martinez-Cecilia aus Cordoba hat gezeigt, dass bei 18 der 249 mit einem zusätzlichen MRT untersuchten Patientinnen sich überraschend weitere Brusttumore gezeigt hatten.

Dies erklärte der Wissenschaftler auf dem 6. Europäischen Brustkrebs Kongress (EBCC-6) in Berlin. Martinez-Cecilia wörtlich: “Auch wenn MRT teuer ist, sollte sie gemeinsam mit Biopsie, Mammographie und Ultraschall vor einer Brustkrebs-Operation zur Standarduntersuchung werden. Denn damit ist es nicht nur möglich, ein erneutes Auftreten des Krebses zu vermeiden, sondern auch langfristig die Behandlungskosten zu senken.”

Seitenanfang


Epothilone nach Versagen von eibenhaltiger Chemotherapie

von Ursula Goldmann-Posch

Für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, die auf wirksame Zellgifte wie die eibenhaltigen Taxane oder die Anthrazykline nicht mehr ansprechen, gibt es nun eine neue Behandlungsmöglichkeit, die das Skelett der Zelle angreift.

Das Zellskelett ist ein aus Eiweiss-Stoffen aufgebautes Netzwerk im Inneren der Zelle und besteht aus auf- und abbaubaren fadenförmigen Zellstrukturen. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein steifes Skelett, sondern um ein sehr flexibles Geflecht von Strukturen, das unter anderem auch für die Signalübertragung zwischen Zellen unerlässlich ist. Hier setzt die neue Klasse der aus Bakterien gewonnenen Zellgifte ein: die Epothilone (es gibt A, B und D), vom Braunschweiger Forscher Dr. Gerhard Hoefle in jahrelanger Forschungsarbeit zu einem Krebswirkstoff entwickelt.

"Die Epothilone sind in der Lage, die Mechanismen der Resistenz zu umgehen, die dazu führen, dass Frauen mit Brustkrebs nicht mehr auf Taxane ansprechen", betonte Professor Bruce Trock aus Baltimore auf der Europäischen Brustkrebskonferenz in Berlin. So habe man in einer Phase-II-Studie bei Patientinnen, die zum Teil schon zwei bis drei taxanhaltige Chemotherapien bekommen hatten, durch die Behandlung mit dem Epothilon Ixabepilon eine Ansprechrate von zwölf Prozent erzielen können. Der Krebswirkstoff bindet in Krebszellen an Mikrotubuli und blockiert so deren Vermehrung.

Besonders gute Ergebnisse habe das in Deutschland noch nicht zugelassene Ixabepilon in Verbindung mit Capecitabine gezeigt, betonte Professor Jacek Jassem aus Gdansk in Polen auf dem Kongress. Er stellte eine Phase-III-Studie mit 752 Patientinnen mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem Brustkrebs vor. Bei ihnen war der Brustkrebs trotz einer Taxan- und Anthrazyklin-Behandlung fortgeschritten.

Seitenanfang


mamazone-Vorstand Doris Schmitt: Die Kommunikation zwischen Ärzten und Patientinnen ist Teil des Behandlungserfolgs

von Ursula Goldmann-Posch

"Zum Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs sprechen Arzt und Patientin in der Regel auf unterschiedlichen Ebenen miteinander. Der Arzt muss der Patientin die Diagnose und die weiterführende Behandlung mitteilen, während die betroffene Frau erst den Schock der Diagnose überwinden muss. Dadurch ist eine erfolgreiche Kommunikation erschwert. Wichtige Informationen über die anstehende Behandlung und Nachsorge werden nur bedingt oder gar nicht aufgenommen", so Doris Schmitt, Vorsitzende von mamazone e.V..
"In dieser Situation benötigt die Patientin die Ermutigung von Seiten des Arztes, sich aktiv in den Behandlungsprozess einzubringen”, fordert Schmitt. Fehlende Informationen über die eigene Erkrankung und deren Behandlung müssen verständlich vermittelt werden. So kann Angst abgebaut und die Therapietreue (Compliance) verbessert werden. Werden Brustkrebspatientinnen unterstützt, Fragen zu stellen und mögliche Nebenwirkungen zu besprechen, beeinflusst dies entscheidend ihre Lebensqualität und den Genesungsprozess.

Damit Patientinnen mit ihren behandelnden Ärzten eine gemeinsame Entscheidung treffen können, benötigen sie freilich gute Informationen über eine qualitätsgesicherte Behandlung von Brustkrebs. Zusätzlich zum Arzt-Patientinnen-Gespräch können Broschüren, Internetportale, Medienberichte sowie Selbsthilfeinitiativen und Selbsthilfegruppen hierbei helfen.

„mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.“ bietet betroffenen Frauen eine Plattform für Information und Kommunikation. “Ursula Goldmann-Poschs Projekt Diplompatientin®“ und der mamazone-Workshop „Wie sag ich’s meinem Doc? – das selbstbewusste Gespräch mit dem Arzt“ ermöglichen interessierten Brustkrebspatientinnen, sich über ihre Erkrankung und deren Behandlung umfassend zu informieren und die Regeln einer kompetenten Gesprächsführung mit dem Arzt zu erlernen und einzuüben.

Seitenanfang