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Neues vom San Antonio Breast Cancer Symposium 2013

Ein Kongressbericht von Dr. med. Dieter Steinfeld-Birg*


Nach dem Besuch des 36. San Antonio Breast-Cancer Symposium vom 10. bis 14.12.2013, auf dem insgesamt 1255 Beiträge vorgestellt wurden, stellt Ihnen der Augsburger Gynäko-Onkologe Dieter Steinfeld-Birg eine Auswahl von wichtigen Ergebnissen aus der Brustkrebsforschung dar.


Adjuvante Therapie bei Her2-positiven kleinen Mammakarzinomen

Die Prognose ist auch bei kleinen Tumoren deutlich schlechter, wenn im befallenen Brustgewebe Her2 überexprimiert ist. Daten des MD Anderson-Center, Housten, zeigen, dass ohne adjuvante Therapie das Rezidivrisiko in fünf Jahren 6,3 % bei Her2-negativen und 22,9 % bei Her2-positiven Tumoren bis 1 cm und negativen Lymphknoten (T1a N0) beträgt.

Die Onkologin Sara M. Tolaney vom Dana-Farber Cancer Institut konnte zeigen, dass bei 406 Patienten mit einem Her2neu-positiven Tumor bis 3 cm (50 % bis 1,5 cm, 42 % bis 2 cm) und negativen Lymphknoten (T1 N0) und einer Nachbeobachtungszeit (Follow-up) von 3,6 Jahren nach zwölf Gaben Paclitaxel wöchentlich und einem Jahr Trastuzumab (Herceptin®) das Rezidivrisiko insgesamt bei 1,3 % und bei Tumoren bis 1 cm bei 1 % liegt.

Diese Daten wurden durch die Onkologin Karen A. Cadoo vom renommierten Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York bestätigt, die auch bei Patienten über 65 Jahren das Rezidivrisiko nach drei Jahren von 9 % auf 3 % durch die Chemo-/Antikörpertherapie senken konnte.

Damit bleibt die kombinierte Chemo-/Antikörpertherapie bei kleinen Tumoren und auch bei älteren Patienten der empfohlene Standard.

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Duale Blockade und Anti-Gefäßneubildung bei Her2-positiven Tumoren

Professor Martine Piccart, Brüssel, stellte die Neo Altto-Studie vor, in der 455 Patienten neoadjuvant mit zwölf Gaben Paclitaxel wöchentlich und zusätzlich mit Lapatinib (Tyverb®), einem Tyrosinkinasehemmer des Her2-Rezeptors, Trastuzumab (Herceptin®), einem Antikörper gegen Her2-Rezeptor, oder der Kombination aus beiden therapiert wurden. Bekannt war, dass die Rate der pathologischen Komplettremissionen mit 24,7 %/ 29,5 % und 51,3 % für die Kombination, d. h. die zweifache (duale) Blockade der Her-Rezeptoren am besten war und Herceptin allein Lapatinib allein überlegen war.

Jetzt konnte dies auch für das krankheitsfreie Überleben bei einer Nachbeobachtungszeit von 3,7 Jahren mit 78 % nach Lapatinib, 76 % nach Herceptin und 84 % nach der Kombination bestätigt werden. Das Gesamtüberleben war mit 95 % bei der dualen Blockade im Trend besser als durch alleinige Gabe von Lapatinib (90 %) oder Herceptin (93 %).

Daher bleibt zu hoffen, dass die seit 8/2013 in Deutschland bestehende Zulassung bei metastasierten Stadien für die kombinierte Therapie mit Trastuzumab und Lapatinib auch bald auf die adjuvante Situation ausgedehnt wird.

Professor Dennis Slamon präsentierte die BETH-Studie, in der 3509 Patienten mit Her2-positiven Tumoren nach adjuvanter Chemotherapie (TCH-Schema) entweder ein Jahr Trastuzumab (Herceptin) oder die Kombination aus Trastuzumab (Herceptin) und Bevazizumab (Avastin®), einem Hemmer der Gefäßneubildung, erhielten. Sowohl das krankheitsfreie - mit jeweils 92 % -  als auch das Gesamtüberleben mit 96 % bzw. 97 % unterschied sich bei einer Nachbeobachtungszeit von 3,2 Jahren nicht, die Nebenwirkungen febrile Neutropenie (11 % zu 7 %) und Bluthochdruck (19 % zu 4 %) waren aber unter Bevazizumab deutlich höher.

Die Subgruppenanalyse ergab im Gegensatz zum neoadjuvanten Ansatz auch für die Triple-negativen Tumore keinen Vorteil, so dass Bevazizumab adjuvant nicht empfohlen wird.

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Bisphosphonate adjuvant

Der Onkologie-Professor Rob Coleman aus Sheffield, England, stellte die Metaanalyse der EBCTCG bezüglich der adjuvanten Gabe von Bisphosphonaten nach Analyse von 22 Studien mit insgesamt 17791 Patienten analog des sogenannten „Oxford Overview“ vor. Nach zehn Jahren zeigte sich dabei für postmenopausale Frauen eine Verringerung der Fernmetastasen um absolut 3,5 % (21,9 % auf 18,4 %) und relativ 34 % (HR 0,66) sowie der Sterblichkeit um absolut 3,1 % (18,3 % auf 15,2 %) und relativ 17 % (HR 0,83). Diese Ergebnisse waren unabhängig vom Hormonrezeptor - und Nodalstatus. Sie waren fast identisch für die i.V.-Gabe von Aminobisphosphonaten (Zoledronat, HR 0,70), der  oralen Gabe der Erst-Generations-Bisphosphonaten (Clodronat, HR 0,57), der Hochdosistherapie wie bei Skelettmetastasen (HR 0,63) oder für die Osteoporose-Dosis (HR 0,70).

Daher wurde bei postmenopausalen Frauen die adjuvante Gabe von Bisphosphonaten entsprechend der Osteoporose-Therapie empfohlen, allerdings existiert keine entsprechende Zulassung und keine Empfehlung bezüglich der Therapiedauer.

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Neue Prognoseparameter

Immunsystem

Mehrere Autoren zeigten auf dem Kongress Daten zu sogenannten tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TIL). Der Pathologe beschreibt dabei vermehrt Lymphozyten im Tumor selbst (iTIL), im umgebendem Stroma (sTIL) oder sogar eine Überlagerung des Tumorgewebes mit Lymphozyten über 60 % (LPBC, Lymphozyten prädominanter Breastcancer).

Der Pathologe Professor Carsten Denkert Berlin/Regensburg konnte anhand der neoadjuvanten Geparsixto-Studie eine deutlich höhere Rate an pathologischen Komplettremissionen bei Nachweis von TIL (75 % gegenüber 34 %) zeigen. Dieser Effekt war bei Triple-negativen Tumoren und bei zusätzlicher Therapie mit Carboplatin noch ausgeprägter.

Perofessor Sylvia Adams aus New York konnte anhand von Daten der ECOG-Studien darlegen, dass sich pro 10 % Zunahme der TIL ein Anstieg des krankheitsfreien Überlebens um 14 % und des Gesamtüberlebens um 19 % ergibt. Als Erklärung wird vermutet, dass der Tumor durch TIL immunogener ist und daher vom Immunsystem besser kontrolliert werden kann.

PI3K

PI3K ist eine Kinase, die intrazellulär in der Informationsübertragung von der Zelloberfläche (Östrogen-, Her2-Rezeptor) zum Zellkern eine wichtige Rolle spielt und damit Zell-Vermehrung (Proliferation) oder Zelltod (Apoptose) beeinflussen kann. Dieser „pathway“ ist bei Brustkrebs zu 70 % vermehrt aktiv und in 30 % findet sich eine Mutation des PI3CA-Gens.

Z. Shao aus Shanghai beobachtete, dass die Rate an pathologischer Komplettremission und das Gesamtüberleben steigt, wenn eine primär vorhandene Mutation von P13K nach neoadjuvanter Chemotherapie nicht mehr nachweisbar ist („loss of mutation“).

Professor Sibylle Loibl von der German Breast Group beschrieb bei den neoadjuvanten Studien Geparquinto und Geparsixto eine Mutationsrate von 20,8 % bei Her2-positiven und von 7,4 % bei Triple-negativen Tumoren. Vor allem bei Her2-positiven Tumoren zeigte sich eine Verdoppelung der pathologischen Komplettremission bei fehlender Mutation.

Damit ist P13K sowohl ein prognostischer Faktor als auch ein möglicherweise in der Zukunft prädiktiver Faktor, da viele P13K-Inhibitoren in der Entwicklung sind.

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Rezidivrisiko und Sport

In der START-Studie wurde der Effekt von regelmäßigem Ausdauertraining, d.h. 30 Minuten für fünf Tage in der Woche, auf das Rezidivrisiko nach Brustkrebs untersucht. Bei einem Follow-up von acht Jahren stellte sich jetzt eine signifikante Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens um 32 % von 75,6 % auf 82,2 % (HR 0,68) und des Gesamtüberlebens von 82,7 % auf 91,2 % heraus, so der Kanadische Sportwissenschaftler Kerry S. Courneya.

Zudem konnte in der randomisierten HOPE-Studie gezeigt werden, dass körperliche Aktivität wie oben beschrieben die Muskel-/Skelettschmerzen unter Aromatasehemmer-Therapie um 30 % senken kann. Dabei ist der Effekt abhängig von der Intensität der körperlichen Aktivität, nicht jedoch von einer damit verbundenen Gewichtsreduktion (M. Erwin).

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*Unser Autor arbeitet in der Praxis GMP Frauenärzte, Bereich Gynäkologische Onkologie, Prinzregentenstrasse 25, 86150 Augsburg