BrustkrebswissenFrüherkennung, Diagnose & Therapieoptionen

Die Brustoperation

Die Operation der Brust hat zum Ziel, den Tumor oder das bösartig veränderte Gewebe vollständig und sicher zu entfernen. Der Operateur/die Operateurin führt dazu und je nach präoperativ (vor der Operation) gewählter Detektions-bzw. Markierungsmethode einen während der Operation durchgeführten Ultraschall durch und wählt dabei die Schnittführung und Operationstechnik so, dass soviel gesundes Gewebe wie möglich erhalten bleibt und zeitgleich ein optisch möglichst günstiges Ergebnis erzielt wird.

Gut zu wissen:

Intraoperativ können Ultraschall bzw. Mammographie (sehr neu auch teilweise auch die Kernspintomographie) zur Schnittrandbewertung herangezogen werden. Ob der Tumor tatsächlich komplett entfernt wurde oder möglicherweise noch Tumorreste im Körper verblieben sind, wird aber am sichersten in der pathologischen Untersuchung überprüft. Dokumentiert wird das Ergebnis in der TMN-Klassifikation unter der Rubrik R für Residualtumor (residual bedeutet zurückbleibend). 

  • R0 = vollständige Entfernung des Tumors bis ins gesunde Gewebe
  • R1 = Tumorrest findet sich noch mikroskopisch am Rand des entfernten Gewebes
  • R2 = mit bloßem Auge sichtbare Tumorreste sind im Körper verblieben
  • RX= keine sichere Beurteilung möglich

Schnellschnittdiagnosen am Tumor hinsichtlich der Beurteilung von Resektionsrändern können durchgeführt werden, z.B. wenn eine sofortige klinische Konsequenz resultiert. Gerade im Zustand nach neoadjuvanter Therapie und gutem Ansprechen mit deutlicher Gewebezerstörung kann die Schnellschnitt-Bewertung schwierig sein. Die sicherste Bewertung und damit präziseste Aussage, auf die sich die Patientin/der Patient verlassen kann, liegt nach endgültiger histopathologischer Aufarbeitung des Tumorgewebes vor. Die Nachresektionsraten haben sich durch verbesserte Detektions- und Markierungsmethoden in den letzten Jahren verringert und liegen derzeit ca. zwischen 9 und 20%.

Radikal muss nicht immer sein – häufig ist eine brusterhaltende Operation (BEO) möglich

Noch bis in die 80er Jahre galt Brustkrebs als eine Erkrankung, der mit möglichst radikalen Operationstechniken zu Leibe gerückt wurde. In der Regel wurde eine ausgedehnte Brustamputation durchgeführt. 

Mittlerweile weiß man, dass bei circa 70 bis 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen eine brusterhaltende Operation (BEO) möglich ist. Wird die BEO mit einer lokalen Bestrahlung kombiniert, spricht man von einer BET (brusterhaltenden Therapie). Die BET bietet die gleichen Heilungschancen wie das Entfernen der ganzen Brustdrüse (Mastektomie). Daher wird heutzutage in über 70 Prozent der Fälle brusterhaltend operiert.

Vielleicht ist Ihr Tumor bei Diagnose für eine brusterhaltende Operation zu groß oder hat bestimmte biologische Eigenschaften. Dann kann es helfen, wenn für Sie eine medikamentöse, präoperative Therapie vorgesehen ist. Dabei  handelt es sich meist um eine neoadjuvante Chemotherapie, manchmal auch Antihormontherapie, die vor der Operation gegeben wird. Dadurch kann sich der Tumor  verkleinern oder umbauen. Da heutzutage in den „neuen“ Tumorgrenzen sicher operiert werden kann ohne die Prognose zu verschlechtern, ist im individuellen Fall ein brusterhaltendes Vorgehen durchaus möglich. Manchmal verkleinert bzw. zerstört die neoadjuvante Chemotherapie den Tumor so stark, dass er gar nicht mehr sichtbar ist. Deshalb werden Tumore in der Regel vor einer neoadjuvanten Therapie mit Clips markiert, damit man die befallene Stelle in der Brust bei der Operation genau lokalisieren und etwaige Tumorreste sicher entfernen kann.

Wichtig:

Auf eine BEO muss immer unterstützend eine Strahlentherapie folgen, um gleich gute Lokalrezidivraten zu erzielen wie nach kompleter Brustentfernung. Mit der Strahlentherapie werden Tumorzellen abgetötet, die möglicherweise trotz Operation noch in der Brust noch verblieben sind.  

Was tun bei asymmetrischen Brüsten nach BET?

Wenn Ihr Tumor groß war, ist Ihre Brust nach BET möglicherweise kleiner als Ihre gesunde Brust auf der gegenüberliegenden Seite. Viele Frauen stört eine solche Ungleichheit im Körperbild. Um wieder symmetrische Brüste zu bekommen kann man die Brüste operativ angleichen. Um sich hierzu beraten zu lassen, auch gerade hinsichtlich einer Kostenübernahme, die nicht automatisch von jeder Krankenkasse gewährleistet wird, sollten Sie sich an den Arzt /die Ärztin Ihres Vertrauens aus Ihrem Brustzentrum wenden, die sie hierzu beraten.

Eine andere Möglichkeit ist es eine Brust-Teilprothese  zu tragen. Das ist ein für Sie angepasstes Ausgleichsteil aus Silikon, das Sie in einem Spezial BH tragen. Der Spezial BH hat auf der Rückseite eine Tasche, in die diese Teilprothese gesteckt wird. Danach sind die Unterschiede Ihrer Brustgröße und Brustform für Aussenstehende nicht mehr erkennbar. Sie können damit ohne Bedenken auch ein enges T-Shirt oder eine dünne Bluse tragen. Inzwischen gibt es auch sehr leichte Silikonprothesen, die auch auf die Haut „geklebt“ werden können und einen BH mit Prothesentasche nicht mehr erfordern.

Wenn die Brust entfernt werden muss – Mastektomie

Nur bei ca 20-30 Prozent der Patientinnen ist eine vollständige Entfernung der Brustdrüse (auch Mastektomie oder Ablatio mammae genannt) unumgänglich. Im allgemeinen kann man sagen, dass eine Mastektomie in Frage kommt bei ungünstigem Größenverhältnis von Tumor und Brust (sehr großer Tumor bei sehr kleiner Brust).

Ein paar Indikationen können beispielsweise sein:

  • ausgedehntes DCIS (Ductal Carcinoma in Situ, eine Vorstufe von Brustkrebs)
  • das Karzinom ist in die Brustwand oder Brusthaut eingewachsen
  • sehr großes oder inflammatorisches (=entzündliches) Mammakarzinom
  • die nach einer BET erforderliche Strahlentherapie soll vermieden werden
  • als prophylaktische bzw. Risiko-reduzierende Maßnahme, bei Patientinnen mit einem sehr hohen Brustkrebsrisiko, z.B. aufgrund von BRCA Mutationen

Manche Frauen entscheiden sich auch für eine Mastektomie, um sich dadurch subjektiv sicherer zu fühlen.

Brustaufbau ja oder nein und wenn ja, wie?

Direkt nach der Diagnose drehen sich bei den meisten Frauen die Gedanken zunächst darum, ob sie wieder gesund werden, welche medikamentöse Therapie auf sie zukommt und ob sie eine Strahlentherapie benötigen werden. Die Frage nach dem Aussehen und damit nach einem etwaigen Brustaufbau steht oft an zweiter Stelle. Dennoch sollten Sie sich bereits vor der Operation darüber Gedanken machen. Denn Ihre Entscheidung hat auch Einfluss auf die Durchführung der Operation.  Grundsätzlich läßt sich sagen, dass eine totale Entfernung der Brust ohne Wiederaufbau inzwischen als gleich sicher hinsichtlich eines Lokalrezidivs und der Prognose gilt wie eine Brustdrüsenentfernung mit Wiederaufbau.

Generell gibt es drei Möglichkeiten

  • Brustaufbau mit Eigengewebe

Für Frauen, denen es wichtig ist auch nackt möglichst unversehrt auszusehen und die kein Fremdgewebe (Silikonprothese) implantiert bekommen möchten, ist dies das Mittel der Wahl. Allerdings ist ein Brustaufbau mit Eigengewebe ein durchaus komplexer operativer Eingriff, der zusätzlich zur Tumortherapie belastend sein kann und daher manchmal auch durchaus sinnvoll erst sekundär nach dem Abschluss der Tumortherapie empfohlen wird, um z.B. durch die Schwere des Eingriffs und der dadurch benötigten Zeit zur Heilung keine Therapieverzögerung zu bewirken. Zusätzlich zur Narbe im Brustbereich, haben Sie später eine Narbe an der entsprechenden Entnahmestelle.

  • Brustaufbau mit Implantat

Diese Möglichkeit des Brustaufbaus eignet sich ebenfalls für Frauen, denen es wichtig ist auch nackt möglichst unversehrt auszusehen. Dieser Eingriff ist nur im Bereich der Brust und dadurch meist einfacher wegzustecken als der Brustaufbau mit Eigengewebe. Allerdings ist das Silikonimplantat ein Fremdkörper mit den entsprechenden Nachteilen, der sich zudem den natürlichen Gewichtsschwankungen und Alterungsprozess der Brust nicht anpasst. Wenn sich Ihre Brust sehr verändert kann eine erneute Operation aus kosmetischen Gründen nötig werden.

  • Verzicht auf einen Brustaufbau:

Diese Möglichkeit ergibt sich für Frauen, die möglichst wenig Komplikationen und damit verbunden Interventionen auch im Laufe ihres weiteren Lebens haben möchten. Für Frauen, die primär sicher gehen möchten, dass man ihnen im Alltag die Mastektomie nicht ansieht, kann der äußere prothetische Ersatz der Brust eine gute und schonende Alternative zum o.g. Brustaufbau sein. Sie entscheiden sich bewusst für ein Leben ohne Brust und tragen stattdessen eine Brustprothese  (auch  Brustepithese  genannt) (Dabei handelt es sich um eine Silikon-Brustprothese, die man in einen Spezial-BH steckt. Inzwischen gibt es auch sehr leichte Silikonprothesen, die auch auf die Haut „geklebt“ werden können und einen BH mit Prothesentasche nicht mehr erfordern.

Unser mamazone Tipp

Überlegen Sie in Ruhe, was für Sie persönlich die richtige Option ist. Lassen Sie sich eingehend über die jeweiligen Vor- und Nachteile beraten. Hilfreich ist es sicher auch sich vorab Bilder zu den unterschiedlichen Optionen, die für Sie individuell in Frage kommen, zeigen zu lassen.

Und noch etwas: Wenn Ihnen das Alles jetzt zuviel ist, können Sie diese Entscheidung auch aufschieben. Auch nach der Operation ist ein Brustaufbau in einer weiteren Operation (sogenannter Sekundärer Brustaufbau) noch möglich. Das Ergebnis ist dann aber eventuell nicht ganz so gut wie bei einer Berücksichtigung bereits vor der OP.

Sehen Sie hierzu auch den Vortrag "Selbstbewusst ohne Brust - Das Thema Brustlosigkeit" den Frau Evelyn Müller und Frau Alice Nicolussi auf unserem Diplompatientinnen-Kongress 2022 gehalten haben

Informationen von AMSOB (Ablatio mammae e.V. - Selbstbewusst auch ohne Brust) finden Sie hier.