BrustkrebswissenFrüherkennung, Diagnose & Therapieoptionen

Strahlentherapie

1. Strahlen gegen den Krebs

Die Strahlen- oder Radiotherapie ist ein wichtiger Pfeiler der Brustkrebstherapie. Sie senkt die Rezidivrate erheblich und führt zu einer verbesserten Prognose. Sie ist eine Lokaltherapie die Krebszellen in einem genau definierten Körperbereich abtötet. Das ist je nach Situation die Brust oder ein Teil der Brust, die Lymphabflussgebiete oder Metastasen.

Anders als systemische Therapien, wie z.B. die Chemotherapie oder die Antihormontherapie, wirkt die Strahlentherapie nicht im ganzen Körper, sondern nur in dem bestrahlten Bereich.

Die Strahlentherapie hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Es gibt mittlerweile verschiedene Techniken, die kürzere und auch schonendere Anwendungen ermöglichen. Zudem hat sich die Zielgenauigkeit der Bestrahlung extrem verbessert, so dass heutzutage gesundes Gewebe sehr viel weniger in Mitleidenschaft gezogen wird als früher.

Wirkprinzip der Strahlentherapie

Die in der Radiotherapie genutzten, ionisierenden Strahlen werden äusserst präzise auf das Tumorgewebe ausgerichtet. Sie schädigen Zellen und zwar umso stärker, je häufiger sich diese Zellen teilen. Sie wirken also besonders stark gegen Krebszellen, die sich in der Regel viel häufiger teilen als gesunde Körperzellen. Hinzu kommt, dass Krebszellen ein weniger gut arbeitendes Reparatursystem besitzen als gesunde Zellen. Sie können Schäden, die durch die Strahlentherapie hervorgerufen werden, nicht mehr beheben und sterben ab, gesunde Zellen hingegen erholen sich meist wieder.

Strahlentherapie - heilend und lindernd

Beim frühen Brustkrebs oder Rezidiven, wird die Strahlentherapie eingesetzt um (weitere) Rezidive oder gar Metastasierungen zu verhindern. Nach der Operation sollen durch die Bestrahlung alle in der Brust oder den umliegenden Lymphknoten eventuell verbliebenen Krebszellen zerstört werden.

Beim metastasierten Brustkrebs nutzt man die Strahlentherapie um einzelne Metastasen gezielt zu verkleinern und so die Krebserkrankung aufzuhalten oder auch krebsbedingte Beschwerden, wie z.B. Schmerzen bei Knochenmetastasen, zu lindern.

2. Was wird bei Brustkrebs bestrahlt?

Bestrahlung der Brust

Auf eine brusterhaltende Operation sollte immer auch eine Radiotherapie erfolgen. Denn nur in der Kombination mit der Strahlentherapie erzielt die brusterhaltende Operation genauso gute Heilungschancen, wie die Mastektomie (Brustamputation).

Standard ist eine Bestrahlung der ganzen Brust, in Niedrigrisiko-Situationen kann aber auch eine Teilbestrahlung (Partialbrustbestrahlung) ausreichend sein.

Bestrahlung der Brustwand

In der Regel erfolgt nach einer Mastektomie keine Radiotherapie. Bei hohem Rückfallrisiko kann aber eine Bestrahlung der Brustwand angeraten sein.

Bestrahlung der Lymphabflusswege

Wenn von einem Tumorbefall der Lymphknoten in der Achselhöhle und oder im Bereich des Schlüsselbeins auszugehen ist, wird gegebenenfalls eine Mitbestrahlung dieser Lymphabflusswege empfohlen werden. In manchen Fällen kann dies eine schonende Alternative zur Axilladissektion sein und insbesondere das Risiko eines späteren Lymphödems deutlich senken. Lassen Sie sich diesbezüglich von Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin umfassend beraten.

Bestrahlung von Metastasen

Ob eine Bestrahlung von Metastasen zielführend ist, hängt von vielen Faktoren ab.  Ihr Behandlungsteam wird Sie diesbezüglich beraten.

3. Bestrahlungsarten

Perkutane Strahlentherapie

Bei einer perkutanen Strahlentherapie wird der Tumor perkutan, also „durch die Haut“, bestrahlt. Dies ist die übliche Art der Strahlentherapie nach einer Brustoperation und sie erfolgt im Regelfall ambulant. Sie dauert mehrere Wochen und wird an vier bis fünf Tagen pro Woche angewendet. Auf die Stelle, wo der Tumor ursprünglich saß, wird oft eine zusätzliche Dosis (Boost) gegeben. Beginn ist nach Abschluss der Wundheilung, also frühestens drei bis vier Wochen nach der Operation. Falls nach der Operation noch eine Chemotherapie durchgeführt wird, erfolgt die perkutane Strahlentherapie erst im Anschluss daran.

Intraoperative Radiotherapie

Die IORT (=Intraoperative Radiotherapie) ist eine einmalige Bestrahlung des Tumorbettes während der Operation. Sie kann alternativ zur perkutanen Boost-Bestrahlung eingesetzt werden und so die Dauer der perkutanen Strahlenbehandlung verkürzen. Des Weiteren ist die IORT eine gute Therapie zur sofortigen Bestrahlung während einer operativen Metastasen Entfernung z. B. bei Hirnmetastasen, somit ist eine mehrtägige Nachbestrahlung perkutan nicht notwendig.

Brachytherapie

Bei dieser Therapieform werden Kunststoff- oder Stahlnadeln (Implantate) in oder an den Tumor implantiert, die mit radioaktiven Stoffen (z.B. das Iridium 192) beladen werden. Der Vorteil dieser Therapie ist dass die Bestrahlungsdosis unmittelbar im Tumor ankommt, das gesunde Gewebe schont und eine Therapie auf einige Tage minimiert. Dies geschieht in Narkose und es wird als Teilbrustbestrahlung oder Boost Bestrahlung (Dosisaufsättigung) oder als primäre Therapie (zum Beispiel bei exulzerierten Tumoren) empfohlen. Diese Therapie wird in bestimmten Situationen und in ausgewählten Zentren durchgeführt.

4. Strahlendosis

In Ihrem Therapieplan wird Strahlendosis in GY (Gray) angegeben. Das ist eine Maßeinheit für die durch die ionisierende Strahlung verursachte Energiedosis. Die für Sie vorgesehene Gesamtdosis wird bei der perkutanen Strahlentherapie in Einzeldosen aufgeteilt (= Fraktionierung), die pro Behandlung verabreicht werden.

mamazone Hinweis

Vielleicht versuchen Sie jetzt abzuschätzen, wie stark die Strahlenbelastung durch die vorgesehene Radiotherapie ist und vergleichen die GY-Werte aus Ihrem Therapieplan mit GY-Werten aus natürlicher Strahlung, der Sie üblicherweise pro Jahr ausgesetzt sind. Das sollten Sie nicht tun, denn Sie erhalten dadurch einen völlig falschen Eindruck. Die natürliche Strahlung wirkt immer auf den gesamten Körper, die wesentliche höhere therapeutische Strahlendosis wirkt aber gezielt nur auf einen sehr kleinen, genau festgelegten Tumor- / Körperbereich. Das ist also nicht miteinander vergleichbar.

Detaillierte Informationen welche Strahlentherapie in welchem Umfang und in welcher Situation von der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologen) empfohlen wird, finden Sie in den entsprechenden Leitlinien der Kommission Mamma

5. Nebenwirkungen der Bestrahlung

Die häufigsten kurzfristigen Nebenwirkungen der Strahlentherapie sind

  • Hautreizungen, Rötungen eventuell auch Schwellungen, vergleichbar mit einem starken Sonnenbrand.
  • Müdigkeit, allgemeines Unwohlsein und Kopfschmerzen, der sogenannte Strahlenkater

Diese Nebenwirkungen klingen meist innerhalb weniger Wochen nach dem Bestrahlungsende von alleine wieder ab.

 Bedeutender sind mögliche langfristige Nebenwirkungen. Zu nennen wären hier

  • Gewebeveränderungen, Narbenbildung, Wundheilungsstörungen und Verhärtungen im Bestrahlungsgebiet (insbesondere relevant bei Brustaufbau und bei Zweitbestrahlung nach Rezidiv)
  • Lymphödeme bei Bestrahlung der Lymphabflusswege (die hier jedoch wesentlich seltener als bei einer Axilladissektion auftreten)
  • Blutbildungsstörungen
  • und dank moderner Technik mittlerweile nur noch sehr selten Schädigungen von Herz und Lunge

6. Was kann ich selbst für mich tun?

Die Haut schonen

Meist wird Ihnen Ihre Strahlenpraxis ein Informationschreiben mitgeben, in dem genau beschrieben wird, wie Sie Ihre Haut während der Strahlentherapie pflegen sollten. Generell empfiehlt es sich die Haut möglichst schonend zu reinigen und vor Sonne, Chlor- oder Salzwasser zu schützen. Achten Sie auf bequeme Kleidung, die Sie nicht einengt oder gar scheuert. Es gibt auch besonders weiche BHs, die für diese Therapiephase geeignet sind.

Dem Strahlenkater begegnen

Gegen Erschöpfung, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein, haben sich Bewegung an der frischen Luft und eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung bewährt.

Ängste reduzieren

Vielleicht ängstigt Sie die Strahlentherapie und Sie sind besorgt wegen etwaiger Neben- oder Nachwirkungen. Sprechen Sie mit Ihrem Strahlentherapeuten darüber. Er kann Ihnen genau erklären, wie sichergestellt wird, dass gesundes Gewebe bestmöglich geschont wird, welche Risiken häufig auftreten und mit welchen Sie nicht oder nur sehr selten rechnen müssen. 

Nehmen Sie keine Vitamin- oder Mineralstoffpräparate ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt

Die Verlockung ist groß, sich mit Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Präparaten vor etwaigen Nebenwirkungen der Strahlentherapie zu schützen. Doch Vorsicht! Solche Präparate können schlimmstenfalls die Strahlentherapie auch abschwächen oder Nebenwirkungen verstärken. Fragen Sie deshalb bei Ihrem Arzt / Ihrer Ärztin nach, wenn Sie begleitend zur Strahlentherapie etwas einnehmen möchten.

7. Wo finde ich einen Strahlentherapeuten

Meist wird Ihnen Ihr behandelndes Brustzentrum sagen können, wo Sie in der näheren Umgebung eine Strahlentherapie machen können.

Ergänzend verweisen wir auf die Übersicht von Abteilungen und Praxen für Strahlentherapie Seite der DEGRO (Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.)

unser mamazone Tipp

Wählen Sie möglichst eine Strahlenpraxis / Klinik in Ihrer Nähe. Das erleichtert Ihnen die Wahrnehmung der häufigen Bestrahlungstermine sehr.

8. Fahrtkosten zur Bestrahlung

Benötigen Sie ein Taxi oder einen Krankentransport um zur Strahlentherapie zu kommen? Dann kann Ihnen Ihr Arzt / Ihre Ärztin eine entsprechende Bescheinigung ausstellen, mit der Sie bei Ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme beantragen können. Allerdings müssen Sie eine  Zuzahlung leisten, außer Sie sind von der Zuzahlungspflicht befreit. Für jede Fahrt wird eine Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent, mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro, jedoch nicht mehr als die tatsächlichen Kosten, fällig.

Weitere Informationen

Sehen Sie hierzu auch Vorträge die auf unseren Diplompatientinnen-Kongressen gehalten wurden. (Nur für Mitglieder freigeschaltet)

Lesen Sie gerne auch die Informationen des Krebsinformationesdienstes "Bestrahlung bei Brustkrebs"