RegionalgruppeFrüherkennung

Mammografie

Nur in seltenen Fällen werden durch die Selbstuntersuchung und die Untersuchung durch den Arzt Knoten unter 2 cm Ausdehnung getastet. Diese können durch bildgebende Verfahren entdeckt werden.

Große Erfolge durch Mammografie-Screening

In den Niederlanden ergab die Auswertung der ersten 20 Jahre regelmäßiger Röntgenuntersuchungen der Brust einen drastischen Rückgang der Sterberate durch Brustkrebs. 2009 lag die Sterberate bei Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren um 31 % niedriger als vor dem Programm. Aber auch Weiterentwicklungen in der Brustkrebsdiagnostik und -behandlung können dazu beigetragen haben. 

In Deutschland wurde das Screening bis 2009 flächendeckend eingeführt, Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie) in einer zertifizierten Screening-Einheit. Die Untersuchung findet in speziell dafür ausgerichteten Praxen und durch besonders geschultes Fachpersonal statt. Eine Röntgenfachkraft macht bei der Untersuchung von Ihren Brüsten je zwei Aufnahmen, dafür wird Ihre Brust zwischen zwei Platten gedrückt. Von einigen Frauen wird dies als unangenehm oder schmerzhaft empfunden. Umso flacher die Brust jedoch gedrückt wird, umso mehr Aussagekraft hat die Aufnahme. In den folgenden Tagen werden die Aufnahmen sorgfältig von mindestens zwei speziell geschulten Fachärztinnen ausgewertet.

Gut zu wissen

Die Strahlendosis bei einer Mammografie beträgt ca. 0,2 – 0,3 Milli-Sievert. Durch die natürliche Strahlung, die aus dem Weltraum oder aus Gesteinen und natürlichen Gasen stammt, sind Menschen in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr etwa 2,4 Milli-Sievert ausgesetzt. Die Strahlenbelastung einer Mammografie-Aufnahme entspricht damit etwa einem Zehntel der durchschnittlichen jährlichen Strahlenbelastung in Deutschland. Zudem betrifft die Bestrahlung der Mammografie nur das Brustgewebe, die natürliche Strahlung hingegen den ganzen Körper. Hochwertige und regelmäßig überprüfte Geräte halten die Strahlenbelastung der Mammografie gering.

Der beste Zeitpunkt für eine Mammografie bei Frauen vor den Wechseljahren ist die erste Zyklushälfte zwischen dem Abschluss der Periode und dem Eisprung. In diesem Zeitraum sind die Brüste besser zu beurteilen und weniger schmerzempfindlich.

Bei folgenden Situationen ist die Aussagefähigkeit einer Mammografie eingeschränkt:

  • bei sehr dichtem Brustgewebe (ACR III und ACR IV)
  • nach vorausgegangener Brustoperation mit Implantierung eines Silikonkissens, das vor dem Brustmuskel liegt – es kann alle Forman von Brustkrebs verdecken
  • bei ausgeprägter Mastopathie (gutartige Veränderung des Brustdrüsengewebes)
  • bei Frauen nach einer Strahlentherapie

In diesen Fällen wie auch zur Abklärung eines verdächtigen Befundes in der Mammografie sollten ergänzende bildgebende Verfahren (beispielsweise eine Ultraschall-Untersuchung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT)) durchgeführt werden.

Dichtes Brustgewebe

Grundsätzlich  wird  die  Brustdichte  mittels der  ACR-Klassifikation  in  vier  Stufen  eingeteilt:

ACR  I:  unter  25%  Drüsengewebe,  überwiegend  lipomatös  bedeutet,  dass  die  Brust  überwiegend  aus  Fettgewebe  besteht.  Die  Brustdichte  ist  sehr  niedrig.
ACR  II:  25%  -  50%  Drüsengewebe,  fibroglandulär  beschreibt  eine  Brust,  die  einen  großen  Anteil  an  Fettgewebe  und  vereinzelte  Bereiche  mit  dichtem  Drüsen-  und  Bindegewebe  enthält.
ACR  III:  50%  -  75%  Drüsengewebe,  inhomogen  dicht  beschreibt  eine  Brust,  die  aus  mehr  Drüsen-  und  Bindegewebe  als  Fettgewebe  besteht.
ACR  IV:  >75  %  Drüsengewebe,  homogen  dicht  steht  für  eine  Brust,  die  fast  vollständig  aus  Drüsen-  und  Bindegewebe  besteht.  Die  Brustdichte  ist  dadurch  sehr  hoch.

Die  ACR-Klassifikation  ist  eine  vom  American  College  of  Radiology  (ACR)  erstellte  Klassifikation,  die  mammographische  Aufnahmen  nach  dem  Anteil  von  Drüsengewebe  einteilt.  Diese  Klassifikation  bezieht  sich  dabei  sowohl  auf  die  Sensitivität  der  Beurteilbarkeit  der  Mammografie,  die  mit  zunehmendem  ACR-Grad  abnimmt,  als  auch  auf  das  mit  jeder  Dichtigkeitsstufe  steigende  Risiko  der  Zellentartung.

weiterführende links:

Mammazentrum Hamburg
Mammographie-Blog
Habilitation an der FU Berlin
DIMASOS-Studie
Wiener Weg
Stuttgarter Weg seit 2007
Vorgehen in den USA seit 2009

 

Frauen wollen Mammographie vor dem 50. Lebensjahr

Brustkrebsfrüherkennung – das ist in Deutschland in erster Linie die Selbstuntersuchung der Brust und die Tastuntersuchung beim Frauenarzt. Eine Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs ist innerhalb des Mammographie-Screening-Programms nur für gesunde Frauen in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 vorgesehen. Diese Frauen werden alle zwei Jahre von einer zentralen Stelle zur Mammographie eingeladen.

Ganz anders in den USA und Österreich. In beiden Ländern geht die ausdrückliche Empfehlung der Leitlinien dahin, Frauen bereits ab dem 40. Lebensjahr jährlich oder alle zwei Jahre eine Mammographie als Früherkennungs-Untersuchung anzubieten.

Auch in Deutschland werden inzwischen die Stimmen lauter, die eine Herabsetzung der Altersgrenze für die Früherkennungs-Mammographie fordern. Denn nur die Hälfte aller Brustkrebserkrankungen tritt in der Altersgruppe der 50 bis 69-jährigen auf. Die restlichen 50 Prozent der Neuerkrankungen – pro Jahr werden knapp 70.000 Frauen in Deutschland also etwa jede 8. Frau mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert – betreffen Frauen, die jünger als 50 oder älter als 69 sind. Und gerade die jüngeren Frauen ereilt die Erkrankung oft in aggressiveren Varianten.

Nicht nur die Wissenschaft, auch die Frauen selbst sind offen für eine Herabsetzung der Altersgrenze für die Mammographie. Das belegen die Ergebnisse einer repräsentativen  Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS im Jahr 2010, bei der im Auftrag des schwedischen Medizintechnikunternehmens Sectra Medical 1000 Frauen in Deutschland befragt wurden. 59 Prozent der Befragten in der Altersgruppe zwischen 40 und 50 würden an einer regelmäßigen Brustkrebsvorsorge mit Mammographie teilnehmen. Und: 38 Prozent der befragten Frauen unter 50 hatten in den vergangenen zwei Jahren eine Mammographie durchführen lassen – entweder zur Abklärung eines Verdachts oder zur Früherkennung von Brustkrebs.

Allerdings – auch das zeigen die Studienergebnisse - machen viele ihre Entscheidung von der Strahlenbelastung durch das eingesetzte Mammographie-System abhängig. Rund 80 Prozent der Frauen würden sofort den Radiologen wechseln, wenn dadurch die Möglichkeit zu einer weitaus niedriger dosierten Röntgen-Untersuchung zur Brustkrebsvorsorge bestehen würde. 53 Prozent würden außerdem häufiger zur Mammographie gehen, wenn die Strahlenbelastung geringer wäre. Ein Grund dafür, dass Frauen keine Röntgenuntersuchung der Brust wünschen, ist noch immer die Angst vor der Strahlenbelastung.

Außerdem ist die Furcht vor einem falsch positiven und vor allem vor einem falsch negativen Befund noch ausgeprägter. 33 Prozent gaben an, nicht zur Mammographie zu gehen, weil sie der Diagnose nicht vertrauten und der Arzt bei einer Freundin einen Befund übersehen habe.

Fazit: Es bleibt noch einiges an Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten, um die Vorbehalte gegenüber der Röntgenuntersuchung zur Brustkrebsfrüherkennung abzubauen und die Qualität der Untersuchung – das gilt für die Befundung wie auch für das Gerät – zu verbessern. (akk; cs 17.11.2020)

links zu weiteren Informationen:

mamazone - Pressemitteilung  vom  02.04.2008 "Neun Kritikpunkte am Mammographie-Screening"
Ergebnisse  der  Befragung  zum  Mammographie-Screening,  19.05.2009
Brustkrebsfrüherkennung: Wahlfreiheit für Frauen muss erhalten bleiben (04.12.2009)
Mammographie-Screening:  Ein  Erfolg  mit  Fragezeichen  von  akk,  21.05.2010
mamazone’s  Meinung  zum  Mammographie-Screening  in  der  EMMA,  09.11.2010
Weniger Brustkrebstote in Europa – kein Erfolg des Mammographie-Screenings, 30.07.2011