BrustkrebswissenLeben mit Brustkrebs

Sport und Bewegung

1. Bewegung, Sport – Tausendsassas an Ihrer Seite!

Viele Studien belegen die überragende Bedeutung von Bewegung und Sport für die Prävention von Krebserkrankungen, aber auch für eine verbesserte Prognose nicht zuletzt für die Abmilderung von Krankheits-Symptomen und Therapie-Nebenwirkungen. Selbst während belastender Therapien, wie einer Chemotherapie ist Bewegung in angemessenem Umfang anzuraten!

Die Liste der möglichen positiven Effekte ist lang

  • Linderung von krebs- oder therapiebedingter Fatigue (Müdigkeits-/Erschöpfungssyndrom)
  • Minderung von Angst, Depression und kognitiver Beeinträchtigung
  • Verbesserung der Schlafqualität
  • Steigerung der Beweglichkeit nach der OP und Minderung von Gelenkschmerzen, die bei der Antihormontherapie auftreten können
  • Abbau von Verspannungen und Linderung damit verbundener Schmerzen, beispielsweise nach der OP
  • Stärkung der Muskulatur und Schutz vor Schwäche, insbesondere nach Inaktivität und Bettlägerigkeit
  • Schutz gegen Osteoporose, die sowohl durch die Chemotherapie als auch durch die Antihormontherapie gefördert werden kann 
  • Vermeidung oder Rückgang von Lymphödemen, die nach der Entfernung von Lymphknoten entstehen können
  • Verbesserung von Polyneuropathien, die bei taxanhaltigen Chemotherapien auftreten können
  • Stärkung der Immunabwehr, was insbesondere während der Chemotherapie wichtig ist
  • Rückgang von Entzündungsprozessen, die auch als krebsfördernd gesehen werden
  • Stärkung der Herzfunktion, die unter der Chemo- oder Herceptin-Therapie leiden kann
  • Ankurbelung des Stoffwechsels und damit Vermeidung von unerwünschter Gewichtszunahme unter der Antihormontherapie  
  • Appetitanregung und damit Abschwächung von krankheitsbedingtem Gewichtsverlust

Sehen Sie hierzu auch den Vortrag "Onkologische Bewegungstherapie: Vorbeugung und Behandlung von tumorassoziierte Fatigue bei Brustkrebs" den Fr. Dr. med. Stephanie Otto auf dem Diplompatientinnen-Kongress 2022 gehalten hat. (Nur für Mitglieder freigeschaltet)

Die gute Nachricht für BRCA1 und BRCA2 Trägerinnen

Eine Übersichtsstudie, die 2022 im American Journal of Preventive Medicine veröffentlicht wurde, zeigt, dass Frauen mit BRCA1 oder 2 Mutationen ihr Erkrankungsrisiko senken können, wenn sie im Jugend- und jungen Erwachsenenalter regelmäßig Sport betreiben.

Lesen Sie hierzu den Artikel Viel bewegen, Brustkrebsrisiko senken auf dem Onko-Internetportal

Wir fassen zusammen

Sport und Bewegung sind echte Tausendsassas an Ihrer Seite! Wenn Sie nachstehende Grundregeln beachten sind auch keinerlei negative Effekte zu befürchten.

2. Einige Grundregeln - allgemeine Tipps

Ehe Sie durchstarten …

Sprechen sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin! Diese können Ihnen sagen, was Sie in Ihrer jeweils aktuellen Situation und Ihrem persönlichen Gesundheits- und Fitnesszustand beachten müssen.

  • So sollten Sie beispielsweise direkt nach Ihrer Brustoperation, aber auch nach der Implantation eines Ports, bestimmte Sportarten oder Bewegungen vermeiden.
  • Während der Chemotherapie kann Ihre Immunabwehr stark geschwächt sein, dann sind Sportarten bei denen Sie engen Kontakt mit anderen Menschen haben, eher ungeeignet. Auch Aktivitäten, bei denen Sie einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sollten bis zum Wiederanstieg der Abwehrzellen vermieden werden.  
  • Auch können Ihre Thrombozyten sehr niedrig sein und es ist wichtig, verletzungsträchtige Sportaktivitäten zu vermeiden.
  • Selbiges gilt bei Knochenmetastasen oder starker Osteoporose, die durch die Antihormontherapie oder durch die Chemotherapie entstehen kann. Hier sind Aktivitäten, die eine verstärkte Gefahr von Knochenbrüchen bergen, ungünstig.
  • Während der Bestrahlung ist vom Schwimmen im Chlor- oder Salzwasser abzuraten, um Hautreizungen zu vermeiden.

Beginnen Sie langsam

mit einfachen und Ihnen bekannten Bewegungen und Sportarten. Achten Sie darauf, sich nicht zu übernehmen und testen Sie langsam aus, was Ihnen in der aktuellen Situation gut tut.

Bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein

Da gibt es viele Möglichkeiten

Warum nicht einfach die Treppe statt dem Lift nutzen, eine Station zu Fuß gehen, statt die ganze Strecke mit dem Bus zu fahren, oder kürzere Fahrten mit dem Rad statt mit dem Auto bewältigen? Auch Spazierengehen, ein Einkaufsbummel, Gartenarbeit und vieles mehr sind gesunde Bewegung!

Bleiben Sie am Ball

und steigern sie Ihr Pensum stetig, aber immer unter Berücksichtigung Ihres Gesundheitszustandes.

Achten Sie auf geeignete Sportarten

Günstig sind beispielsweise Wandern oder Radfahren und moderates Schwimmen. Auch Tanzen, leichte Step-Aerobic, Tai-Chi, Qi-Gong und Yoga fördern die Leistungsfähigkeit und wirken sich positiv auf die eigene Körperwahrnehmung aus. Kraftsport sollte gezielt und entsprechend medizinischer Anleitung erfolgen.

Anfangs sind Sportarten, die den operierten Bereich sehr stark belasten wie beispielsweise Tennis oder Badminton, eher zu vermeiden. Möglichst verzichten sollten Sie auf Sportarten mit intensivem Körperkontakt und dem Risiko auf Stöße oder Sturzgefahr, da hier die Gefahr einer Überlastung oder Verletzung hoch ist.

Machen Sie etwas, das Ihnen Spaß macht

Es ist wichtig, dass Ihnen Ihr persönliches „Trainingsprogramm“ Spaß macht. Dann werden Sie es auch gerne regelmäßig und anhaltend durchführen. Was liegt Ihnen mehr? Gruppensport oder Einzelsport? Eine Aktivität im Freien oder etwas, das Sie jederzeit in Innenräumen ausführen können? Vielleicht probieren Sie einfach verschiedene Sportarten aus. Bestimmt finden Sie das genau für Sie Passende! 

3. Bademode für Brustkrebspatientinnen

Sie schwimmen gerne, haben aber nach der Brustoperation Bedenken sich am Strand oder im Schwimmbad im Badeanzug oder Bikini zu zeigen? Das brauchen Sie nicht! Es gibt sehr schicke Bademode mit Prothesenhalterung, speziell für Brustkrebspatientinnen. Dort ist auf der Innenseite des Brustteils eine Tasche eingenäht in die Sie Ihre Teil- oder Voll-Brustprothese einlegen können. Sie finden gewiss ein Modell bei dem Außenstehende nicht erkennen können, dass Sie brustoperiert sind und in dem Sie sich sicher und wohl fühlen. Das gilt nicht nur wenn Ihre Brust bei der Operation verkleinert, sondern auch wenn sie ganz abgenommen wurde.

Unser mamazone-Tipp

Spezialbademode für Brustkrebspatientinnen bekommen Sie in fast jedem Sanitätsfachgeschäft. Suchen Sie sich ein Sanitätshaus, das sich damit gut mit dieser Thematik auskennt. Fragen Sie nach, ob es dort eine große Auswahl von Badeanzügen und Bikinis gibt und ob Sie in einem separaten Raum diskret und umfassend beraten werden. Übrigens gibt es auch spezielle Schwimmprothesen. Diese sind besonders robust gegenüber Chlor- und Salzwasser.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ein Rezept für einen Badeanzug mit Prothesenhalterung ausstellen. Das ist alle drei Jahre möglich oder wenn sich Ihr Gewicht stark verändert hat. Dann beteiligt sich die gesetzliche Krankenkasse mit einem Zuschuss in einer Höhe von ca 50 EUR. Den genauen Betrag können Sie bei Ihrer Krankenkasse erfragen. Hinweis: Wenn Sie nicht zuzahlungsbefreit sind, fällt trotzdem die normale Zuzahlung zum Rezept an.

4. Wo finde ich Beratung und Unterstützung?

Erste Anleitung zu geeigneten Bewegungstherapien werden Sie bereits in der Klinik nach Ihrer Brustoperation bekommen. Diese beziehen sich üblicherweise auf die Vermeidung von Thrombosen und Lymphödemen, sowie die vorsichtige Mobilisierung des operierten Bereiches. Danach sollten Sie die Möglichkeit einer AHB (Anschlussheilbehandlung) nutzen. Dort wird man versuchen Ihnen auf vielfältige Weise zu neuem Mut, Kraft und Energie zu verhelfen. Integrativer Bestandteil einer AHB sind immer auch Bewegungs- und Trainingsangebote, die an Ihren gesundheitlichen Zustand angepasst werden. Wenn Sie wieder nach Hause kommen, haben Sie somit schon viele Informationen und Anweisungen für ein künftiges persönliches Bewegungs- und Sportprogramm erhalten.

Unsicherheiten bezüglich der idealen Intensität und der geeigneten sportlichen Betätigung kommen bei vielen Brustkrebspatientinnen erst später, wenn Sie bereits wieder einige Zeit zu Hause sind. Zudem fällt es oft im Alltag sehr schwer das so wichtige Training konsequent fortzuführen und gegebenenfalls zu steigern. Hier helfen viele ambulante Sportangebote speziell für Krebserkrankte.

Auch wenn Ihre Behandlung eine neoadjuvante Chemotherapie vorsieht, raten wir Ihnen so frühzeitig wie möglich nach einem begleitenden ambulanten Training speziell für Krebspatientinnen umzusehen.   

Sie suchen einen Sport- oder Bewegungstherapeuten?

Dann empfehlen wir Ihnen die Seite „Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie OTT“ von „Stärker gegen Krebs“. Dort können Sie sogar nach Postleitzahlen sortiert nach Zentren und Therapeuten mit geeigneten Angeboten in Ihrer Nähe suchen.

Auch das Netzwerk OnkoAktiv, ein deutschlandweites Netzwerk zertifizierter onkologischer Sport- und Bewegungsangebote, bietet Ihnen eine wohnortnahe bewegungstherapeutische Beratungs-, Trainings- oder Therapiemöglichkeit. An Krebs erkrankte Menschen sowie ehemals Betroffene können hier über die Suchfunktion (nach Postleitzahl) des Netzwerks OnkoAktiv ein geeignetes wohnortnahes Bewegungs- oder Beratungsangebot finden: Karte - Netzwerk OnkoAktiv

Sie suchen eine Reha-Sportgruppe?

Dann schauen Sie doch einmal auf die Seite des Deutschen Behinderten Sportverbandes. Dort finden Sie nach Postleitzahlen sortiert Krebssportgruppen.

5. Ambulante Angebote - Kassenleistung?

Bei Lymphödem, Narbenproblemen, Funktionsstörungen im Schulterbereich oder Polyneuropathien kann Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein Rezept für die Behandlung durch einen Physiotherapeuten ausstellen.

Mit dem sogenannten Muster 56 kann die Teilnahme an einer Rehasportgruppe verordnet werden. Üblicherweise werden zunächst 50 Übungseinheiten verordnet, bei Polyneuropathie sogar 120 Einheiten. Alternativ kann mit dem Muster 56 auch ein Funktionstraining verordnet werden.

Etwas neuer ist die OTT. Die Kosten für die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie werden aktuell von vielen Privatversicherungen und einigen gesetzlichen Krankenkassen getragen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten für ein OTT übernimmt.

Für Präventionssport, der auch in der Nachsorge interessant sein kann, gewähren praktisch alle Krankenkassen Zuschüsse. Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage Ihrer Krankenkasse.

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