BrustkrebswissenFrüherkennung, Diagnose & Therapieoptionen

Entfernung der Lymphknoten

Lymphknoten als Filter

Für die Entstehung von Fernmetastasen müssen die Tumorzellen aus der Brust in andere Regionen des Körpers "wandern". Dieser Weg führt oft über die Lymphbahnen. Die Lymphknoten dienen im Körper als "Kläranlagen", sie filtern Krankheitserreger aus der Gewebeflüssigkeit (Lymphe) und können auch Krebszellen zurückhalten. Sind die Lymphknoten frei von Tumorzellen, haben sich mit höchster Wahrscheinlichkeit über das Lymphsystem noch keine Metastasen ausgebreitet.

Axilladissektion - immer seltener nötig

Von einer Axilla-Dissektion spricht man wenn viele, (in der Regel mindestens zehn) Achsellymph-knoten entfernt werden. Das ist ein schwerwiegender Eingriff, der gerade in Kombination mit Strahlentherapie die Komplikationsentstehung erhöhen kann. Nahezu die Hälfte aller Frauen leiden danach  unter leichten, aber bleibenden Beschwerden. Dazu gehören Schmerzen, Taubheitsgefühl und Bewegungseinschränkungen im Schulter-Arm-Bereich. Darüber hinaus entwickelt etwa jede fünfte Patientin ein leichtes, in wenigen Fällen aber auch schweres Lymphödem. Das ist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Anschwellung von Arm und Hand, die durch den gestörten Abfluss der Lymphe entsteht. Man behandelt das Lymphödem mit Lymphdrainagen (das ist eine spezielle Form der Massage, die ca. ein- bis zweimal pro Woche erfolgen muß) und mit Kompressions-Armstrümpfen. Bei schwerwiegendsten Fällen wird an Spezialzentren die Lymphgefäßoperation zur Wiederherstellung des Lymphabflusses angeboten. Ein chronisches Lymphödem beeinträchtigt die Lebensqualität der Patientinnen oft erheblich.

Mittlerweile haben Studien gezeigt, dass unter bestimmten Voraussetzungen sehr häufig auf die komplette Axilla-Dissektion verzichtet werden kann, ohne die Heilungschancen von Brustkrebspatientinnen zu verringern!

Untersuchung der Lymphknoten im Vorfeld der Operation

Heutzutage versucht man bereits vor Therapiebeginn befallene Lymphknoten zu identifizieren. Dazu werden zunächst die Lymphknoten der Achselhöhle (axilläre Lymphknoten) und ober- und unterhalb des Schlüsselbeines (supra- und intraclaviculäre Lymphknoten) durch Abtasten und Ultraschall untersucht. Sind sie vergrößert, nicht verschiebbar und / oder verhärtet? Dann spricht man von klinisch und / oder sonographisch auffälligen Lymphknoten.

Bei klinisch und / oder sonographisch unauffälligen Lymphknoten, wird man üblicherweise auf weitere präoperative Untersuchungen der Lymphknoten verzichten und bei der Operation die Sentinel-Biopsie (siehe Abschnitt weiter unten) anwenden.

Bei klinisch und / oder sonographisch auffälligen Lymphknoten hängt das weitere Vorgehen von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von Ihrem persönlichen Risikoprofil und davon welches Therapiekonzept für Sie vorgesehen ist. Ihre Behandler werden mit Ihnen besprechen, was die für Sie geeigneten weiteren Schritte sind.

Um nur ein Beispiel zu nennen:

Vielleicht ist nach neoadjuvanter Chemotherapie eine gezielte Entnahme auffälliger / befallener Lymphknoten anstelle einer Axilladissektion möglich. Man spricht dann von einer TAD (Targeted Axillary Lymph Node Dissection.) Hierzu werden befallene Lymphknoten vor Beginn der medikamentösen Therapie mit einem Clip (oder anderweitig) markiert. Dann kann man diese Lymphknoten später bei der Operation wieder gut erkennen und nur diese gezielt entfernen.

Die Sentinel-Biopsie - ein enormer Fortschritt

Der Wächter-Lymphknoten, auch Sentinel genannt, ist der dem Brusttumor am nächsten gelegene Lymphknoten, sozusagen die erste „Filterstation“ durch die Lymphe vom Tumor abfließt. Tumorzellen, die sich ablösen, bleiben – vereinfacht gesprochen - im Sentinel hängen. Manchmal gibt es nicht nur einen, sondern zwei oder drei sehr eng beieinanderliegende Wächterlymphknoten.

Um den (oder die) Sentinel zu finden spritzt man eine radioaktive gefärbte Substanz in die Tumorregion. Diese Flüssigkeit reichert sich dann im Wächterlymphknoten an. Der Sentinel wird so markiert und kann zusammen mit dem Tumor entfernt werden. Danach erfolgt die feingewebliche Untersuchung des Sentinel. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist entscheidend für die nachfolgende Therapieplanung.

Ist der Wächterlymphknoten frei von Tumorzellen, wird auf die Entnahme weiterer Lymphknoten verzichtet. Denn wenn der Sentinel tumorfrei ist, kann man fast immer davon ausgehen, dass sich auch in weiter entfernt liegenden Lymphknoten keine Krebszellen befinden. Das haben viele Studien gezeigt. Die Biopsie des Wächterlymphknotens wird übrigens auch SNB (Sentinel-Node-Biopsie) genannt.

Die Sentinel-Biopsie ein enormer Fortschritt für Brustkrebspatientinnen, weil die Risiken, Nervenschäden oder Lymphödeme durch die Entnahme von Lymphknoten zu erleiden, dadurch minimiert werden.

Befallener Wächterlymphknoten - weitere Lymphknoten entfernen?

Eine allgemeine Aussage ist hierzu nicht möglich. Ihr behandelndes Brustzentrum wird Sie diesbezüglich individuell beraten. Nur vielleicht soviel: Ob und wenn ja wieviele weitere Lymphknoten entfernt werden müssen, hängt von der Stärke des Tumorbefalls, Ihrem persönlichen Risikoprofil und der geplanten Therapie (neoadjuvant/adjuvant) ab. Manchmal ist es auch möglich, auf eine Entfernung weiterer Lymphknoten zu verzichten und sich stattdessen auf eine Bestrahlung der verbliebenen Lymphknoten zu beschränken.

Gut zu wissen:

Aktuell gibt es eine Fülle von Studien, mit dem Ziel herauszufinden, wie man Lymphknoten und Lymphabflusswegen bestmöglich schont ohne den Behandlungserfolg zu gefährden. Hiervon sind wichtige Ergebnisse für die optimale Therapie von Brustkrebspatientinnen zu erwarten.

 

Sehen Sie hierzu auch den Vortrag "Operative Innovationen und Standards in der Senologie", den Herr Dr. med. Mario Marx auf unserem Diplompatientinnen-Kongress 2021 gehalten hat (nur für Mitglieder freigeschaltet)