mamazone e.V.Regionalgruppen

So erging es mir - mein Weg zu(r) mamazone

Ein Tag wie viele andere. Wie so oft innerlich, dann offiziell, hatte ich meinen Job gekündigt und befand mich in der Übergabe meines Arbeitsbereichs. Eine für mich unattraktive Amerikanisierung meines Arbeitsumfeldes bewog mich, nach einer Alternative zu suchen. In meinem ersten Leben in der DDR, ausgebildet in Wissenschaftlichem Sozialismus – Marxismus-Leninismus, hatte ich den subtilen Einfluss einer befreundeten „Brudernation“ zu spüren bekommen. Die US-amerikanische Denkweise und der entfesselte Kapitalismus reizten mich deshalb nicht, und nach einer langen beruflichen Durststrecke hatte ich endlich eine Alternative vor Augen.
Aber…
…am 02. März 2012 stand der jährliche Check-up beim Gynäkologen an: Krebsvorsorgeuntersuchungen und zu meiner persönlichen Sicherheit  zusätzlich eine Brustsonografie als IGeL. Und im kostenpflichtigen IGel-Ultraschallbild sah eine Verhärtung in der linken Brust anders aus als alles, was ich bisher gesehen hatte. Ungute Gefühle beschlichen mich und meine Ärztin.  Es folgten Mammografie und Biopsie, sogar die IGeL blieb nun kostenfrei. Das mich untersuchende Brustzentrum wählte ich nach der Schnelligkeit der Terminvergabe, nicht etwa nach Qualitätskriterien aus.  Unwissenheit ist ein schlechter Ratgeber, heute würde ich anders entscheiden. „Wissen ist Macht“, sagte schon Lenin, in der DDR scherzten wir aber oft: „nichts wissen, macht nichts“.
Am 15. März wurden an einem Berliner Brustzentrum Mammographie und Biopsie durchgeführt. „Tut es weh?“, fragte die Ärztin angesichts meiner unterdrückten Schmerzlaute. Auf mein „Ja“ wusste sie jedoch keine Antwort. Unter fachfraulichem Blick auf die Gewebeprobe hieß es dann: „Das ist ziemlich sicher Krebs, aber der genaue Befund kommt erst in fünf Tagen“.  
Angst frisst Hirn
Es waren die längsten fünf Tage meines Lebens!
Ich recherchierte bei der DKFZ-Hotline und konsultierte sie erneut mit dem Biopsie-Ergebnis in der Hand. Am 20. März 2012 trat ich zusammen mit meinem Mann den Gang nach Canossa an. In einem zum Wartebereich offenen Zimmer teilte uns die Ärztin den Behandlungsplan mit, auch könne ich mir nebenan bei der Sekretärin gleich meinen OP-Termin abholen. Mein Wunsch nach einer Mastektomie stieß auf völliges Unverständnis und rigorose Ablehnung, sogar meine Zurechnungsfähigkeit wurde infrage gestellt. Den angebotenen OP-Termin lehnte ich ab und ließ die Sekretärin konsterniert zurück. Ich war erschüttert - hinsichtlich meines Vertrauens in die Ärzteschaft.
mamazone e.V.
In der Folgezeit versank ich in einem Ozean der Gefühle, unter Wellenbergen begraben und dem Ertrinken nahe. Irgendwann spülte mich das Meer wieder an den Strand, und ich begann erneut nach seriösen Informationen zu suchen. Anfang 2013 stieß ich auf die Homepage von mamazone e.V.  und hatte hier das Gefühl, fundierte und gut recherchierte Informationen vorzufinden. Klar verständlich, wenn auch Einiges für mich leider zu spät war. Im Juli 2013 nahm ich das erste Mal an einem Treffen der Berliner Mamazonen teil, erfuhr von dem Projekt „Diplompatientin“ und meldete mich an. Anschließend wurde ich Mitglied und bin inzwischen vielfache Diplompatientin.  Von einer Nutznießerin rutschte ich peu á peu in die Rolle, auch anderen Frauen beizustehen. Ich engagierte mich zunehmend innerhalb der Berliner Gruppe und übernahm nach dem Rückzug der vormaligen Leiterin kommissarisch die Gruppenverantwortung. Im Juni 2016 zog ich dann nach Ostholstein.

mamazone Ostholstein - Infopoint

Von Cornelia Stüwe