BrustkrebswissenLeben mit Brustkrebs

Kinderwunsch und Brustkrebs

Sie sind noch jung und haben gerade die Diagnose Brustkrebs erhalten. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin werden Ihnen vermutlich zu einer Chemotherapie raten. Wenn Ihr Tumor hormonrezeptorpositiv ist, wird Ihnen zusätzlich eine mehrjährige Antihormontherapie (endokrine Therapie) empfohlen werden.

Insbesondere die Chemotherapie kann sich negativ auf Ihre Fruchtbarkeit (Fertilität) auswirken und dazu führen, dass Sie nach Abschluss der Therapie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden.

Die Antihormontherapie geht je nach Rückfallrisiko über fünf bis zehn Jahre. Das ist eine lange Zeitspanne und es ist ganz natürlich, dass Ihre Fruchtbarkeit in dieser Zeit nachlassen kann.

Während der Antihormontherapie mit Tamoxifen sollten Sie nicht schwanger werden, weil dies zu Fehlbildungen bei Ihrem Kind führen könnte.

Keinesfalls sollten Sie die antihormonelle Therapie einfach abbrechen, um sich Ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Wir raten Ihnen, sich stattdessen von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin umfassend und individuell beraten lassen, ob gegebenenfalls eine Unterbrechung der antihormonellen Therapie möglich wäre. Dabei gilt es abzuschätzen, wie hoch Ihr persönliches Rückfallrisiko aktuell noch ist und wie gut Ihre Chancen stehen, auch nach planmäßigem Abschluss der Antihormontherapie noch schwanger zu werden.

Inwieweit ein „Pausieren“ der Tamoxifeneinnahme das Rückfallrisiko von Brustkrebspatientinnen erhöht, ist leider noch nicht geklärt. Eine entsprechende Studie hierzu läuft noch bis 2028.

Grundsätzlich gilt: Je jünger Sie sind, desto höher ist Ihre Chance nach Abschluss der Chemo- und / oder Antihormontherapie schwanger zu werden. 

Chancen auf eine spätere Schwangerschaft verbessern

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Sie können Ihre Fertilität während der Therapie schützen und damit Ihre Chancen, später ein Kind zu bekommen, erhöhen.

1. Gabe von Medikamenten (sogenannte GnHR-Analoga) vor der Chemotherapie, die Ihre Eierstöcke vorübergehend „ruhigstellen“. Dadurch soll die Schädigung der Eierstöcke durch die Chemotherapie verringert werden. Sie erhalten eine Spritze mit dem Medikament und können danach sofort, also ohne Zeitverzug, mit Ihrer Krebstherapie beginnen.

2. Einfrieren von Eizellen oder Eierstockgewebe (Kryokonservierung), die dann nach Abschluss der Therapie – bei Bedarf - für eine Fertilitätsbehandlung zur Verfügung stehen.

  • Eizellen können sowohl im befruchteten als auch im unbefruchteten Zustand eingefroren werden, wobei die Erfolgsaussichten für eine spätere Schwangerschaft bei bereits befruchteten Eizellen höher sind. Für diese Maßnahme müssen Sie ca zwei Wochen Zeit einplanen.
     
  • Eierstockgewebe im Rahmen einer Operation entnehmen und einfrieren. Dies ist  auch bei Frauen oder Mädchen, die noch nicht geschlechtsreif sind, eine Option. Die Erfolgsaussichten für einen Fruchtbarkeitserhalt mit dieser Maßnahme sind allerdings nicht so hoch, wie mit der Kryokonservierung von Eizellen. Für diese Maßnahme benötigt man ca 2 Tage Zeit.

Die Kosten für die Kryonkonservierung übernehmen seit dem 1. Juli 2021 bei Patientinnen im Alter von 18 - 40 Jahren die Krankenkassen.

Während die Kostenübernahme für die Kryonkonservierung von Eizellen gut funktioniert, gibt es bei der Kostenübernahme für die Kryonkonservierung von Eierstockgewebe leider noch allzuoft Probleme.

Lesen Sie hierzu www.aerzteblatt.de/nachrichten/134128/Recht-auf-Kryokonservierung-immer-noch-lueckenhaft

Wichtig:

Die Entnahme von Eizellen oder Eierstockgewebe muss vor Beginn der Chemo- oder Antihormontherapie erfolgen. Die Beratung und Durchführung von fertilitätserhaltenden Maßnahmen kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, die Sie aber in den meisten Fällen haben werden.

Unser mamazone-Rat:

Sprechen Sie bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin das Thema Kinderwunsch so früh wie möglich an!

Diese wissen, wie stark die zu erwartenden Auswirkungen der geplanten Krebstherapie auf Ihre Fruchtbarkeit sind und an welchen Zentren Sie sich zur weiteren Beratung und fertilitätsschützenden Behandlung wenden können.   

Lassen Sie sich auch beraten, wenn Sie noch nicht sicher sind, ob Sie später Kinder haben möchten oder nicht.

Weitere Informationen finden Sie unter

www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/kinderwunsch/kinderwunsch-behandlung.php

www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/ambulant/kryokonservierung-von-ei-und-samenzellen/

https://fertiprotekt.com/patienten/fertilitaetsprotektion/ (Hier finden Sie auch unter der Rubrik „Ansprechpartner“ eine Liste von Ansprechpartnern und Kinderwunschzentren, die mit Fertiprotekt kooperieren)

Sehen Sie hierzu auch den