BrustkrebswissenBrustkrebs behandeln

Bisphosphonate und Denosumab

Knochen stärken, Krebszellen hemmen

Bisphosphonate und Denosumab sind sogenannte antiresorptive Medikamente, also Medikamente die den Knochenabbau stoppen. Man nennt sie auch einfach Antiresorptiva.

Wann kommen Antiresorptiva zum Einsatz?

Der Knochenabbau ist eine natürliche Alterserscheinung, der aber durch Chemotherapie und Antihormontherapie (insbesondere durch Aromatasehemmer und GnRH-Analoga) deutlich beschleunigt werden kann. Knochenabbau führt zu dünneren, porösen, bruchgefährdeten Knochen. Im Anfangsstadium spricht man von einer Osteopenie (verminderte Knochendichte), später von einer Osteoporose ( Knochenschwund). Bisphosphonate und Denosumab wirken dieser unerwünschten Nebenwirkung der Brustkrebstherapie entgegen.

Zudem können sich Brustkrebszellen leichter in Knochen ansiedeln und ausbreiten, wenn die Knochenmasse abnimmt. Deshalb werden antiresorptive Medikamente bereits seit langem für die Therapie von Knochenmetastasen genutzt. So sollen metastasenbedingte Knochen- und Wirbeleinbrüche möglichst verhindert werden. 

Wenn Knochenmasse abgebaut wird, gelangt Kalzium ins Blut. Wird der Kalziumspiegel im Blut zu hoch, spricht man von einer Hyperkalzämie. Ursache hierfür sind oft Knochenmetastasen. Durch die Verlangsamung des Knochenabbaus mit Antiresorptiva kann man daher auch einer Hyperkalzämie entgegenwirken.

Mittlerweile haben Studien gezeigt, dass der Einsatz von Antiresorptiva auch das Risiko einer Metastasierung senken kann. Das gilt insbesondere für Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren und für Patientinnen vor den Wechseljahren, wenn deren Eierstockfunktion im Rahmen der Therapie medikamentös unterdrückt wurde. In diesen Fällen werden Bisphosphonate und Denosumab dann häufig schon in der adjuvanten Situation eingesetzt, nicht nur um einer Osteoporose vorzubeugen, sondern auch um einen besseren Schutz vor einer möglichen Metastasierung zu erlangen. 

Natürlich haben auch Antiresorptiva Nebenwirkungen und Einschränkungen in Ihrer Anwendbarkeit, beispielsweise bei bestimmten Vorerkrankungen. Ihr Ärzteteam wird mit Ihnen den für Sie zu erwartenden Nutzen und das entsprechende Risiko dieser Therapieoption abwägen.   

Unterschiedliche Wirkprinzipien

Bisphosphonate haben eine ähnliche Struktur und Eigenschaften wie ein Bestandteil der Knochen. Dadurch können sie sich an den Knochen anlagern und dort wirken. Sie bleiben so über lange Zeit (Monate bis Jahre) im Knochengewebe gespeichert. 

Denosumab ist ein Antikörper, der an das für den Knochenabbau wichtige Protein RANK-Ligand bindet und so den Knochenschwund hemmt. Im Gegensatz zu den Bisphosphonaten bleibt Denosumab im Knochengewebe nicht gespeichert. 

Anwendung Bisphosphonate

Bisphosphonate erhalten Brustkrebspatientinnen normalerweise als Infusion. Tabletten werden eher eingesetzt, wenn es ausschließlich um die Behandlung von Osteoporose geht.

Am häufigsten wird bei Brustkrebspatientinnen wohl Zoledronsäure (Produktname Zometa) eingesetzt. Weitere beim Mammakarzinom verwendete Bisphosphonate sind Pamidronsäure, Clodronsäure und Ibandronsäure.

Hinweis: Für die adjuvanten Brustkrebstherapie sind diese 4 Bisphosphonate zwar nicht zugelassen, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Therapiekosten aber dennoch, wenn

  • die Patientin postmenopausal ist und einen HR+ Brustkrebs hat,
  • die Anwendung das Ziel hat, die Prognose der Patientin zu verbessern,
  • der Hersteller der Medikamente diesem sogenannten “off label” Gebrauch zugestimmt hat,
  • die vorgegebene Dosierung und Behandlungsdauer (maximal 5 Jahre) eingehalten wird

Diese Regelung gilt seit Juli 2024.

Gut zu wissen:

Nach der ersten Infusion von Bisphosphonaten kommt es leider häufig zu grippeähnlichen Sympthomen. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Meist tritt diese recht unangenehme Nebenwirkung nur bei der ersten Gabe auf, die folgenden Infusionen werden in der Regel wesentlich besser vertragen.

Anwendung Denosumab

Denosumab (Produktnamen Prolia und Xgeva) wird als subkutane Injektion verabreicht, wird also unter die Haut gespritzt. Es ist für PatientInnen mit Osteoporose, Knochenmetastasen und als off-label use auch zur Vorbeugung gegen Knochenmetastasen zugelassen.

Gut zu wissen:

Denosumab beeinflusst das Immunsystem. Große Vorsicht ist bei immungeschwächten Patientinnen geboten. Bei Lebendimpfungen ist auf zeitlichen Abstand zur Denosumab Gabe zu achten.

Vitamin D und Kalziumspiegel im Auge behalten!

Es wird empfohlen während einer Therapie mit Bisphosphonaten auf einen ausreichend hohen Vitamin D und Kalziumspiegel zu achten und bei dies Bedarf entsprechend zuzuführen. 

Zahngesundheit ist jetzt sehr wichtig!

Bisphosphonate und Denosumab können in seltenen Fällen eine Kieferosteonekrose, also eine Zerstörung des Kieferknochens, verursachen. 

Um das Risiko für diese schwerwiegende Nebenwirkung so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig vor Beginn der antiresorptiven Therapie Zähne, Zahnfleisch und Kieferknochen untersuchen zu lassen und alle notwendigen Zahnbehandlungen vorzunehmen. Das gilt ganz besonders für größere Eingriffe wie Zahnwurzelbehandlungen, den Einsatz von Implantaten und Zahnentfernungen. 

Achten Sie zudem ganz besonders auf Ihre Zahngesundheit. Auch Druckstellen von Prothesen oder Parodontitis stellen beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Kieferosteonekrose dar. Sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrolle sind also wichtig, um das Risiko einer Kiefernekrose weitestmöglich zu senken. 

Informieren Sie Ihren Zahnarzt / Ihre Zahnärztin!

Es ist wichtig, dass Ihr Zahnarzt über eine geplante, laufende oder auch bereits abgeschlossene Behandlung mit Bisphosphonaten oder Denosumab Bescheid weiss. Nur dann kann er Sie gut bezüglich etwaiger Zahnbehandlungen beraten und geeignete Vorsichtsmaßnahmen zur Senkung des Kieferosteonekroserisikos treffen.

Hilfreich ist hierbei der "AGSMO-Laufzettel: Überweisung / Konsil vor antiresorptiver Therapie des Knochens mit Bisphosphonaten oder Denosumab" 

Weitere Informationen

Vorträge von unseren Diplompatientinnen-Kongressen (nur für Mitglieder freigeschaltet)

2022 "Das ewige Thema Bisphosphonate - wie lange sinnvoll?" von Prof. Dr. med. Ingo Diel
2021 „Warten, bis es weh tut? Oder RANKL und OPG-Biomarker für das Knochenmetastasenrisiko“ von Prof. Dr. Ingo Diel

Links

04 2026 “Warum bekomme ich Bisphosphonate bei frühem Brustkrebs?” auf der Seite des Deutschen Krebsinformationsdienstes
07 2024 "Off-Label-Use von Bisphosphonaten bei Patientinnen mit bestimmten Brustkrebsformen im Frühstadium möglich" auf der Seite des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss)
07 2024 "Bisphosphonate und Denosumab bei Krebs: Knochen-stabilisierende Therapie. Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen" auf der Seite des Deutschen Krebsinformationsdienstes
07 2023 "RANK-Liganden-Inhibitoren als neuer Ansatz bei resistenten ER+ Mammakarzinom denkbar" im Deutschen Ärzteblatt
12 2018 Leitlinie des AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) zum Thema "Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose (AR-ONJ)"